AfghanistanGedichteRobina Karimi

Allein

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Allein in einem Zimmer
Allein in der Dunkelheit
Allein und ohne meine Familie
lernte ich die Einsamkeit kennen,
sie legte sich neben mich.
Und die Gedanken von gestern kreisten,
sie kreisten die ganze Nacht – gestern
gestern gestern – in meinem Kopf.
Gestern, als ich noch bei meiner Familie war.
Und jetzt! Wo bin ich jetzt?
Werde ich meine Familie wiedersehen?

Doch der Morgen kam auch nach dieser Nacht.
Der Trost nahm Platz,
er setzte sich neben mich:
»Die Welt, die Welt ist manchmal kleiner, als du ahnst.«
“Bedenke!”
»Wo warst du gestern und wo bist du heute?«
»Schlagartig hat sich dein gesamtes Leben verändert.«
Und nun?
Und nun gewöhne ich mich jeden Tag ein bisschen mehr
an das Alleinsein.

 

Robina Karimi (17)

floh allein aus Kabul in Afghanistan. Ihre Mutter starb früh, ihr geliebter Bruder ist noch in der Heimat. Da sie trotz anders lautender Angabe in ihrem Pass als volljährig eingestuft wurde, musste Robina eine betreute Unterkunft verlassen und wohnt nun mit ihrer Schwester zusammen, die mittlerweile ebenfalls zum Arbeiten nach Berlin gekommen ist.