GedichteIrakZakariyya Al Obydy

Bilder von dir

Zakariyya Al Obydy

Bagdad, Irak

 

Wie ein Grab nimmt dir das Flugzeug deine Lieben.
Nach deiner Umarmung konnte ich nicht mehr laufen, wie ein Kind im Fieber.
Du und meine Tränen, ihr habt mein Gesicht geküsst.
Ich will dich wiedersehen und wieder.

Du bist ein Vogel und ich die Erde.
Eines Tages wird der Vogel auf die Erde fallen,
und ich höre traurige Lieder.

Alles war schwer: das Leben, die Entscheidung und das Wort »entweder«.
Entweder sterben oder weiterleben wie immer.
Doch »immer« ist noch schlimmer.

Ich habe dein Lächeln verloren und vermisse es noch.
So ist das Leben wie ein Zimmer.
Alle sind jetzt weg: du, die Freunde, das Haus.
Nur die Bilder sind geblieben.
Können wir (nur mit ihnen) zusammenleben?

An dich denken, wie ein Raucher, der alle fünf Minuten raucht.
Ich brauche dich und habe dich gebraucht.
Die Luft hat die Tür bewegt, und ich dachte,
da ist die Liebe gekommen.
Aber die Luft und die Tür: beide haben gelogen.

Der Vater wird beim Abschied betroffen sein,
und ich bin von beidem betroffen,
vom Abschied und vom Vater.

Der Gefangene lächelt manchmal im Gefängnis,
aber auf den nächsten Blick bedauert er es,
und mein Herz ist manchmal wie ein Krater.

In der Nacht:
deine Bilder und der Rauch,
und ich rauche deine Bilder,
wenn ich keinen Rauch mehr habe.

Mein Traum ist es, dass du vor meinen Augen stehst.
Ich will dich sehen, bevor du ins Grab gehst.

 

Zakariyya Al Obydy (17)

Auch, wenn der gebürtige Iraker sein Gedicht direkt auf Deutsch geschrieben hat, so ist die aufgeladene Emotionalität, die für irakische und arabische Poesie oft charakteristisch ist, nicht zu überhören.