AfghanistanGedichteSarah Safi

Brief an die Freundin

Sarah Safi

Kapisa, Afghanistan

 

Sei gegrüßt, liebe Freundin,
es liegt viele Tage zurück, dass wir uns gegenseitig das Herz ausschütteten.
Ich wollte nie fern sein von dir.
Du warst die einzige, die mich verstand.
Ich bin jetzt fern von der Familie.
Schon seit einem Jahr.
In diesem Jahr lehrte mich das Leben viel.
Allein hinausgehen, allein einkaufen, allein essen, allein sitzen.
Allein, das ist sehr schwierig.
Einsamkeit ist ein Übel, das dich zum Äußersten treiben kann.
Aber was man in diesen dunklen Stunden denkt, setzt man dann doch nicht um.
Freundlichkeit, Freundschaft und Emotionen, das alles fehlt hier.
Das viele Alleinsein erschöpft mich.
Die Liebe des Vaters und der Mutter dagegen ermüdet nie.
Die wahre Liebe liegt in dieser Beziehung, die der Eltern zu den Kindern und der Kinder zu den Eltern.
Außerhalb dieser Beziehung ist alles bedeutungslos.
Ich lebe von der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

 

Sarah Safi (17)

ist seit 2017 in Deutschland. Sie ist allein nach Deutschland geflohen, von Griechenland aus kam sie mit dem Flugzeug nach Berlin. Ihre Familie ist seit Sommer 2018 auch in Deutschland. Sie besucht die Peter-Ustinov-Schule.