Wie ein Pfeil

Mahdi Hashemi

Ghazni, Afghanistan, aufgewachsen in Iran

 

Einen Monat lang ging die Reise,
die keine Reise war,
sondern ein Schrecken, 

in das Land der Hoffnung. 


Jetzt warte ich auf ein Papier,

das vielleicht Bitterkeit enthält und Trauer.
Und fühle mich wie ein Pfeil.
Verschossen. 

Der zurückkehren soll
zu seinem Bogen.


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
The Poetry Project | Foto © Rottkay

Mahdi Hashemi (*2000)

Mahdi Hashemi wurde als Kind afghanischer Flüchtlinge in Iran geboren. Er wuchs nahe der Hauptstadt Teheran auf. Mahdi schreibt darüber, warum sich afghanische Flüchtlinge in Iran sogar dafür entschuldigen, dort die Luft zu atmen. Foto © Rottkay

Spuren

Yasser Niksada

Panshir, Afghanistan, aufgewachsen in Iran

 

Sei neben mir und sieh,
was mir geschehen ist.
 
Es ist vorbei, die Spuren noch im Herzen.
 
Kein Platz für mich für Schlaf in diesem Bus.
 
Die Füße vertrocknet, der Traum versank im Auge.
 
Die Polizei sagte Stopp.
Geht zurück, geht zurück.
Alle dann in den Waggons, nur ich allein auf dem Gleis.
Das Schlauchboot sank und mein heißes Herz für Europa wurde kalt.
Die Welt schlief, nur wir waren wach,
hungrig, durstig, müde.
Wir sind ja weggegangen, schwieriger wird es, zurückzukehren.
Das ganze Sich-Zerreißen, für ein bisschen Ruhe.
Nicht meine Ruhe.
Die Ruhe meiner Familie.

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Yasser Niksada (*2002)

Yasser Niksada stammt aus dem Panshir-Tal in Afghanistan. Vor zehn Jahren flohen die Niksadas nach Teheran, dort lebt die Familie als Flüchtlinge. Aber das ist kein Leben, sagt Yasser. Deshalb schickte die Familie ihn auf die Reise nach Europa. In Deutschland vermisst Yasser seine Familie. Foto © Rottkay

Berlin

Mansour Hamidi

Kunduz, Afghanistan

 

Berlin bedeutet Freiheit.
Die Freiheit allein rauszugehen, ohne Angst.
Ich kann machen, was ich will.

Brandenburger Tor. Alexanderplatz. Olympiastadion.
Berliner Dom. Reichstag. Wannsee. Tempelhofer Feld.

U-Bahn.
Fahrausweise bitte.
Polizei.
Ausweis bitte.
Das Gefühl der Angst.
Sirenen in meinem Kopf.

Aber Berlin bedeutet Sicherheit.
Verschiedene Welten prallen aufeinander.

Manchmal fühle ich mich einsam.
Leere Tage für mich.
Berlin.
So viele Menschen.
So viele sehen mich nur an.

 

Mansour Hamidi (19)

ist in Kunduz in Afghanistan geboren, aufgewachsen ist er in Mazar-e-Sharif. Sein erster Gedanke, als er nach Deutschland kam, war: „Alles ist fremd”. Doch er ist dankbar, hier sein zu können und nicht mehr um sein Leben fürchten zu müssen. Afghanistan sei ein schönes, aber sehr gefährliches Land. In seiner Freizeit spielt Mansour gerne Fußball. Seine Familie lebt noch in Afghanistan, in Berlin jedoch hat er eine Pflegefamilie gefunden, die ihn bei allem unterstützt.

Zerbrochen

Nasima Haidari

Kabul, Afghanistan

 

Ich war in der Küche.
Erinnerst du dich?
Du schleudertest das Handtuch.
Du zerbrachst die gläserne Vase.

 

Nasima Haidari (23)

kommt aus Kabul in Afghanistan. Aufgewachsen ist sie in Pakistan. Sie hat in Afghanistan studiert und ging dann nach Istanbul. Von Istanbul ist sie nach Deutschland gekommen, von Berlin über Frankfurt und Hamburg nach Leipzig. Sie arbeitet als Grafikdesignerin und hat sechs Geschwister.

Über die Sehnsucht nach Gott

Hamed Mirzaie

Kunduz, Afghanistan

 

Der Glaube ist etwas, das jeder Mensch in sich trägt
Manche Menschen sehen die Religion als etwas sehr Großes und Wertvolles an
Und es gibt wiederum Menschen, die keinen Glauben an Gott haben
Sondern im Vertrauen auf ihr Herz und ihren Verstand sich stützen auf das
Was ihnen im Leben richtig und wichtig erscheint

Als Beispiel für Gläubige seien Menschen genannt
Die dem Islam angehören
Für sie ist die Religion überaus wichtig und bedeutend
Sie wollen ihr immer treu bleiben
Aber leider gibt es heute eine Anzahl von Terroristen
Die den Islam missbrauchen, ein schlechtes Bild auf ihn werfen
Und durch ihre Taten zerstören
Wenn man diese Menschen nach dem Islam fragt
Wissen sie nicht, was gemeint ist

 

Hamed Mirzaie (16)

stammt aus dem afghanischen Kunduz. Vor etwa drei Jahren ist er nach Deutschland gekommen. In seiner Freizeit liest er gerne Gedichte, spielt Fußball und schwimmt.

Gebäude der Zukunft

Zahra Sharifi

Ghazni, Afghanistan

 

Jedes Gebäude war einmal zu einer Zeit eine einfache Skizze.
Trüge dich also nicht,
dein Jetzt muss nicht auch dein Bald sein.
Wichtig ist,
dass du an dich selbst glaubst,
nicht die Hoffnung verlierst.
Dass du die Skizze zu einem Gebäude formst,
deine Zukunft in die Hand nimmst.
Mit Achtsamkeit und Mühe
kann jeder sich eine schöne Zukunft aufbauen.

 

Zahra Sharifi (13)

kam vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. Mittlerweile lebt sie mit ihren Eltern und zwei Brüdern in einer Wohnung in Berlin-Charlottenburg und besucht die Rudolf-Dörrier-Grundschule. Sie mag Karate und wünscht sich, dass es keine Kriege mehr gibt, sodass alle Menschen eine schöne Zukunft haben können.