Steckt die arabischen Schwerter ein

Ali Alzaeem

Idlib, Syrien

 

Oh Oktober,
Ich erzähle von Laila, wie sie die Freiheit geküsst hat.
Sieben Himmel beschäftigen sich mit meinen Gedichten.

Oh Sonne von Damaskus,
Schickt der Tigris etwa noch immer unsere Wünsche Richtung Bagdad?
Auf den Pferden der Araber
Zu den Türmen der Hamdaniden
Unter der Schirmherrschaft der Umayya.
Unsere Kamele tragen die Märtyrer zu den Ursprüngen der Freiheit.

Seit neunzehn Jahren, oh meine Mutter,
Spielt Laila die Instrumente der Abende
Und die Straßen sind von den Wehklagen der Mütter erfüllt,
Über die Bilder ihrer Kinder.

Seit neunzehn Jahren, oh Vater,
Bin ich beschäftigt mit der Tilgung
Der Geschichte meiner Heimat
Von den Illusionen der Könige.

Seit neunzehn Jahren, oh Bruder,
Lüge ich mit der Behauptung,
Ich hätte die morgendliche Begrüßung
Der Fahnen unseres Landes gebilligt.

Lasst die arabischen Schwerter los,
Denn Laila hat einen Westlichen geheiratet.
Sie erzählt nicht mehr die Geschichte des Mondes,
Ist nicht mehr die Reinheit der Nächte.
Steckt die arabischen Schwerter wieder ein,
Bis Laila sich von dem Fremden scheidet
Und zurück zu ihren Wurzeln findet.

 

Ali Alzaeem (19)

stammt aus einem Dorf in Idlib. Er hatte eine schöne Kindheit als Schäfer, Schüler, Fußballspieler. Im Sommer 2015 kam er nach Deutschland, spielt gern Theater und schreibt Gedichte. Er hat großes Interesse an Politik und Wirtschaft, die ihn sowohl ärgern als auch süchtig machen. Er geht auf die Elinor-Ostrom-Schule.

Porträt in Berliner Nächten

Ali Alzaeem

Idlib, Syrien

 

Die Augen von Berlin kennen meine Heimat.
Doch begreift die Stadt mein Herz?
Begreift die Stadt, dass ich noch ein Kind bin?
Dass ich noch keine einzige Zeile für meine Geliebte geschrieben habe?
Soll ich den Straßen hier erzählen, dass ich unruhig werde durch ihren Lärm?
Aber wie?
Berlin ist schön, so wie es ist.

Ich bin der Verrückte, der Zornige, der Revolutionär.
Warum besitze ich keine heilige Olive und keinen Mond,
Keine Heimat und kein Schicksal?
Warum zerstreut die Stadt die restlichen Splitter meines Körpers
Zwischen den Cafés und Büchern und Frauen?
Warum hängt sie mich nicht als Porträt in ihre Nächte?
Zumindest für ein paar Stunden,
Oder auch nur für ein paar Sekunden.

Erkennt Berlin meine Liebe?
Und wir treffen uns,
Wie ein Treffen der Sonne mit der Lady des Mondes.
Bin ich ein Fremder?
Liebestrunken,
Zwischen der Verrücktheit ihrer Gedanken.
Erkennt sie mich, oder ist sie still?
Hebt sie sich von mir ab?
Wie ein Laubblatt im Herbst,
Stolpere ich auf dem Weg zu ihr.

 

Ali Alzaeem (19)

stammt aus einem Dorf in Idlib. Er hatte eine schöne Kindheit als Schäfer, Schüler, Fußballspieler. Im Sommer 2015 kam er nach Deutschland, spielt gern Theater und schreibt Gedichte. Er hat großes Interesse an Politik und Wirtschaft, die ihn sowohl ärgern als auch süchtig machen. Er geht auf die Elinor-Ostrom-Schule.

Erwähnt mich nicht

Ali Alzaeem

Idlib, Syrien

 

Notiert nicht
Ich sei ein Flüchtling
Ich kam zu euch mit einer Rettungsweste
Ohne Koffer
Erwähnt mich nicht auf den Straßen von Anatolien
Und nicht in den griechischen Häusern
Gebt nicht mit meiner Registrierung an
Ich sei euer bester Buchstabe
Sprecht mich nicht an mit der Sprache der Prinzen
Denn ich bin ein Schäfer, der die Täler kennt
Und mich fürchten die Wölfe
Gebt mir keinen Reisepass
Der den Flughafen in Verlegenheit bringt
Und keinen Geografieunterricht
Der uns beibringt, dass das Erdöl bei uns in Strömen fließt
Schreibt meinen Namen nicht in Zeitungen
Und nicht an die Türen der Veranstaltungen
Denn was wäre das für eine Angeberei
Seht mein Heimatland nicht mit den Augen einer mitleidigen Journalistin
Oder in der einfühlsamen Umarmung einer vorbeigehenden Frau
Lest nicht mein Gedicht, lest meine Geschichte
Kommentiert nicht
Verzieht euch zu euren Gläsern
Denn ich habe eine lange Nacht vor mir
In Gedanken an die Olivenzeit

 

Ali Alzaeem (19)

stammt aus einem Dorf in Idlib. Er hatte eine schöne Kindheit als Schäfer, Schüler, Fußballspieler. Im Sommer 2015 kam er nach Deutschland, spielt gern Theater und schreibt Gedichte. Er hat großes Interesse an Politik und Wirtschaft, die ihn sowohl ärgern als auch süchtig machen. Er geht auf die Elinor-Ostrom-Schule.

Die grüne Stadt

Ali Alzaeem

Idlib, Syrien

 

Eine Runde vor der Ewigkeit

Die grüne Stadt
Mit den Ästen der Olivenbäume
Hat meinen Weg zur Liebe und zum ersten Haus gezeichnet
Wo ich mein erstes Lied gehört habe
Hoffend, in ihm mein letztes zu hören

Erste Runde

Die neugeborenen Gedichte
Der erste Kirschenbaum, den ich liebte
Die letzte Sonne, die ich verabschiedete
Bis zum Sonnenaufgang
Wir treffen uns wieder am östlichen Ufer

Zweite Runde

Der Kampf der Vergangenheit mit der Gegenwart
Die Augen meiner Mutter
Und die Hände des Vaters
Sind vom Alter gezeichnet

Dritte Runde

Mein Kopf ist voller Blut und Kugeln
Alle Scheiben sind zerbrochen

Vierte Runde

Mein Verwandter versucht mich zu töten
Auch wenn er eine Million Mal zustechen muss
Auch wenn er 300 000 Bomben benötigt
Er bereitet 26 Stricke vor
Und gibt nicht auf

Fünfte Runde

Mein anderer Verwandter
Ein Revolutionär, der keine Kompromisse eingeht
Ein Häftling, der Widerstand leistet
Auch als Toter kämpft er weiter

Sechste Runde

Die Wellen und die Sehnsucht
umarmen meinen Körper
Die Salzreste bedecken mein Gesicht
Hier gibt es keine Worte und keine Heimat
Hier gibt es ein einziges Stück Holz
Das meine Träume trägt

Siebte Runde

Die Tauben verhungern hier
Und sind auf der Brücke verloren
Wie ich
Der Verlorene
Das Mädchen, begraben unter der Erde
Lächelt noch immer

Letzte Runde

Ein neuer Morgen
Die Stimmen der Opfer begleiten mich
Am östlichen Ufer warte ich auf die Sonne
Sie kommt nicht
Ich werde traurig
Und töte mich

Runde nach der Ewigkeit

Die grüne Stadt verreist, Richtung Paradies
Um mich zu besuchen
Nach unserem doofen Krieg

 

Ali Alzaeem (19)

stammt aus einem Dorf in Idlib. Er hatte eine schöne Kindheit als Schäfer, Schüler, Fußballspieler. Im Sommer 2015 kam er nach Deutschland, spielt gern Theater und schreibt Gedichte. Er hat großes Interesse an Politik und Wirtschaft, die ihn sowohl ärgern als auch süchtig machen. Er geht auf die Elinor-Ostrom-Schule.