Frage nach der Herkunft

Amar Alhaw

Damaskus, Syrien

 

Einmal war ich mit Freunden am Main.
Wir waren gut gelaunt, weil wir zusammen waren.
Als wir dasaßen, haben wir spontan
einige Deutsche kennengelernt.
Jeder sprach über seine Herkunft,
und ich wurde natürlich auch danach gefragt
(wenn man mich ansah, war wohl klar,
dass ich kein Deutscher bin).
Ich erzählte ihnen, dass ich aus Syrien bin.

Da fingen sie an, viele Fragen
über die Situation in Syrien zu stellen,
und die am Krieg beteiligten Gruppen
(sie hatten im Schulunterricht
über den syrischen Krieg gesprochen).
Ich hatte aber in diesem Moment
keine Lust über ein so sensibles
Thema zu sprechen.
Ich wollte nur mit meinen
Freunden eine gute Zeit haben.

Aber die jungen Leute stellten weitere
Fragen und zeigten Interesse.
Ich versuchte, ihnen indirekt zu sagen,
dass ich jetzt nicht über den Krieg
sprechen wollte, denn ich wollte
mir die Laune nicht verderben.

Gleichzeitig wollte ich nicht,
dass sie in mir einen
unhöflichen Menschen sehen.

 

Amar Alhaw (20)

kam 2015 mit 16 Jahren aus Griechenland in Deutschland an. Die Mutter und die zwei Schwestern durften ihn zunächst nicht begleiten. Darunter litt er sehr. Nach einem halben Jahr durften die beiden unverhofft nach Frankfurt nachkommen. Nach einem Jahr sprach Amar akzentfrei Deutsch, als wäre er hier geboren. Das halbe Jahr allein in Frankfurt hat den Grundstein für seine Selbständigkeit gelegt. Im Sommer 2019 macht er sein Fachabitur.