Missverständnis

Bashar Abdalli

Damaskus, Syrien

 

Ich bin oft mit den Deutschen zusammen.
Aber ich finde, wir verstehen uns nicht immer.
Vielleicht, weil ich noch nicht so gut Deutsch spreche.
Aber oft sprechen sie einfach über Dinge,
Die mich gar nicht interessieren.
Und oft habe ich das Gefühl,
Dass sie ganz anders denken.

Ich bin deshalb gerne mit anderen Arabern zusammen,
Weil ich mit ihnen Spaß machen kann
Und sicher bin, sie nicht zu beleidigen.
Wenn ich in der Schule einem Deutschen den Stuhl wegziehe,
Dann redet er nicht mehr mit mir.

Ich glaube,
Damit wir uns besser verstehen,
Müssen wir etwas Gleiches mögen.
Oder uns sehr lange kennen.
Ich glaube,
Alle Menschen können einander verstehen.
Denn am Ende
Sind wir alle Menschen.

 

Bashar Abdalli (15)

ist mit seinem Onkel aus Damaskus geflohen, seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. In Schule und Fußball-Training hat er viel Kontakt mit deutschen Jugendlichen, fühlt sich jedoch nicht immer von ihnen verstanden. Bashar geht auf die Gustav-Eiffel-Schule in Berlin.

Die Zeit zurückdrehen

Bashar Abdalli

Damaskus, Syrien

 

Alles war geplant
Zwei Monate zuvor wusste ich, dass ich nach Deutschland gehen würde
Die Freunde von meinem Vater hatten ihre Kinder schon vor uns auf den Weg geschickt
Am Anfang war ich sehr froh
Weil ich Fußball mag und Deutschland eine tolle Fußballmannschaft hat.

Meine Mutter wollte nicht, dass ich gehe
Sie hatte große Angst um mich, denn der Weg ist gefährlich
Ich war unsicher und habe meinen Freunden erst mal nichts erzählt
Denn vielleicht würde es ja doch nicht klappen.

Meine Familie kam, um sich zu verabschieden
Ich hatte alles vorbereitet
Hatte alle Sachen gekauft, die ich für die Reise brauchte
Ich konnte nicht schlafen.

Ich bin mit meinem Onkel aufgebrochen
Mein Cousin sollte auch mitkommen
Doch das Geld
Hat nicht gereicht.

Meine Lieblingssachen habe ich nicht mitgenommen
Und nun
Könnte ich die Zeit zurückdrehen
Ich würde alles fotografieren.

 

Bashar Abdalli (15)

ist mit seinem Onkel aus Damaskus geflohen, seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. Sein Herz gehört dem Fußball, doch im Rückblick beschreibt er, dass ihm die Fußballnation Deutschland die Erinnerungen an seine Heimat nicht ersetzen kann. Bashar geht auf die Gustav-Eiffel-Schule in Berlin.