Unsere Aufgabe

Emma Sörgel

Wendelstein, Deutschland

 

Integration kann so vieles bewegen.
Nicht zum Schlechten, sondern zum Guten.
Zum Miteinander.

„Es ist aber nicht unsere Aufgabe, sie zu integrieren!”

Es heißt oft, dass sie endlich unsere Sprache lernen sollen.
Aber wie sollen sie die Sprache lernen,
wenn wir nicht mit ihnen sprechen?

Es heißt oft, dass sie unsere Kultur kennenlernen sollen.
Doch das können sie nur, wenn wir sie ihnen zeigen.

Es heißt oft, dass Flüchtlinge gewaltsam sind.
Aber sind nicht wir diejenigen, die gewaltsam sind?

Integration klappt nur, wenn wir alle mithelfen.
Uns nicht verschanzen, hinter all den Vorurteilen.
Uns nicht abschotten, sondern auf andere zugehen.

Es heißt oft, dass die Flüchtlinge so werden sollen, wie wir.
Aber ist nicht jeder Mensch besonders, ganz auf seine Art?
Die Verschiedenheit macht die Welt doch erst bunt.
Es gäbe keine Freude mehr, wären alle gleich.

 

Emma Sörgel (14)

wohnt in Wendelstein und besucht das dortige Gymnasium. An ihrer Schule nimmt sie an der AG “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” teil und setzt sich dort unter anderem mit der Frage auseinander, wie man sich respektvoll im Schulalltag begegnet und was man tun kann, um jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzutreten.

An die AfD

Sophia Grabendorfer

Wendelstein, Deutschland

 

Ich habe Angst.
Wenn ich durch die Straßen gehe und blau-rote Wahlplakate sehe, wird mir schlecht.
Wenn ich Andere ausländerfeindliche Parolen schreien höre, werde ich wütend.
Und wenn ich die Ergebnisse der letzten Wahl anschaue, bekomme ich Angst.

63 Jahre Frieden in Deutschland.
63 Jahre keine Parolen, keine Erschießungen, keine Konzentrationslager
und keine Angst ums eigene Leben.
Habt ihr nichts aus dieser Zeit gelernt?
Ist es so falsch, anderen zu geben, was wir gerade haben?

Es ist noch nicht so lange her,
da flohen deutsche Kinder nach Großbritannien, deutsche Familien nach Amerika.
Und heute wünschen sich viele „die guten alten Zeiten zurück“.
Welche guten alten Zeiten?

Ging es uns je besser als heute?
Können wir nicht ein bisschen Angst aus der Welt anderer Leute nehmen?

 

Sophia Grabendorfer (17)

wohnt in Wendelstein und besucht das dortige Gymnasium. An ihrer Schule nimmt sie an der AG »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« teil und setzt sich dort unter anderem mit der Frage auseinander, wie man sich respektvoll im Schulalltag begegnet und was man tun kann, um jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzutreten.

Integration

Samira Diesch

Wendelstein, Deutschland

 

Integration – ein kompliziertes Wort.
Integration – das erwartet man von ihnen.
Sich anpassen – das sollen sie.

Aber sind es nicht wir, die sich anpassen müssen?
Die sich üben müssen?
In Toleranz, Gleichheit, Offenheit?
Ihnen gegenüber?

Kulturen – so verschieden und vielfältig.
Nicht zählbar, nicht beschreibbar.

Sich wie Deutsche benehmen – das sollen sie.
Aber warum?
Und was ist das überhaupt?

 

Samira Diesch (14)

wohnt in Wendelstein und besucht das dortige Gymnasium. An ihrer Schule nimmt sie an der AG »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« teil und setzt sich dort unter anderem mit der Frage auseinander, wie man sich respektvoll im Schulalltag begegnet und was man tun kann, um jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzutreten.

Fremd

Lulya Yigzaw

Wendelstein, Deutschland

 

Fremd gefühlt habe ich mich,
als ich auf die neue Schule gekommen bin.
Ich fühlte mich fremd,
weil ich niemanden kannte.
Jeder hatte eine Person,
zu der er gehörte.
Ich nicht.

Ich fühlte mich fremd,
weil ich anders war als die anderen.
Ich verhielt mich anders
und hatte eine andere Hautfarbe.
Ich war schüchtern
und traute mich kaum
ein Wort zu sagen,
weil ich Angst vor den Reaktionen anderer hatte.

Doch dieses Gefühl vergeht,
wenn man sich akzeptiert fühlt,
sich zugehörig fühlt.

Denn letzten Endes
findet man immer eine Person,
bei der man sich niemals fremd fühlt.

 

Lulya Yigzaw (14)

wohnt in Wendelstein und besucht das dortige Gymnasium. An ihrer Schule nimmt sie an der AG Schule »ohne Rassismus – Schule mit Courage« teil und setzt sich dort unter anderem mit der Frage auseinander, wie man sich respektvoll im Schulalltag begegnet und was man tun kann, um jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzutreten.

Winter

Rachel Ulrich

Berlin, Deutschland

 

Vor fünf Sommern
Warst du noch da
Hast gesagt
Rachel, pass auf dich auf
Einmal nachts, in Berlin, Sommerregen
Wir waren so jung und hatten nicht an Regenjacken gedacht
Da klingelten wir an deiner Tür

Und damals, da konntest du noch Türen öffnen
Du brachtest uns Handtücher und Kuchen

Dann Winter
Ich stehe draußen, die Kirche ist voll
Ich weiß nicht, ob du merkst, dass sie alle deinetwegen hier sind
Und ich – überfordert, mache Witze über den Tod

Fünf Sommer später
Heule ich mir die Augen aus dem Kopf
Endlich.
Einsicht: Du fehlst!

 

Rachel Ulrich (22)

ist in Berlin aufgewachsen – der einzigen Stadt, die für sie zum Leben in Frage kommt. Ihr Spitzname ist „Rage“, und den würde sie gerne häufiger zum Programm machen. Sie mag Hip-Hop und Schuberts Winterreise, daneben ist sie 40-Stunden-Lohnarbeiterin. Sie liebt Lyrik, die sie tröstet und ihr beim Ruhefinden hilft, im Gegensatz zu Politik, denn die bewegt sie.

Sprachlos

Rachel Ulrich

Berlin, Deutschland

 

Morgens
Es schallt aus dem Radio: Seehofer, Söder, AfD, Bayern
Während mein Kopf To-do-Listen macht
Konto einrichten
Überweisung
Radiorundfunkgebühren
Erwachsen werden
Ich frag mich, was mich so wütend macht
Seehofer: Der Islam gehört nicht zu Deutschland
Oder
Der Berg an Briefen
Der mich hindert
Den Seehofers, Söders und Gaulands
Die Fresse zu polieren

Arbeit
Der Schrecken wird wahrhaftig
Der Schrecken – eine Lehrerin, die „Witze“ macht
„Selbst die reinrassige, arische, Bio-Deutsche kann das ABC nicht“
Sie lacht
Ich kotze
Was problematisch ist, denn meine Kotze lässt mich nicht sprechen
Und meine Sprachlosigkeit lässt mich ein weiteres Mal kotzen

 

Rachel Ulrich (22)

ist in Berlin aufgewachsen – der einzigen Stadt, die für sie zum Leben in Frage kommt. Ihr Spitzname ist „Rage“, und den würde sie gerne häufiger zum Programm machen. Sie mag Hip-Hop und Schuberts Winterreise, daneben ist sie 40-Stunden-Lohnarbeiterin. Sie liebt Lyrik, die sie tröstet und ihr beim Ruhefinden hilft, im Gegensatz zu Politik, denn die bewegt sie.