Schuldgefühle

Rojin Namer 

Kamischli, Syrien

 

Papa, Mama,
denkt ihr wirklich, ich würde nicht helfen, wenn ich könnte?
Denkt ihr wirklich, dass ich jetzt glücklich bin,
weil ich hier nach 18 Uhr noch draußen sein kann,
ohne Angst haben zu müssen?
Denkt ihr wirklich, dass ich 300 Euro Taschengeld bekomme,
wie meine Cousinen erzählen?
Denkt ihr wirklich, dass ich euch vergaß,
weil ich hier ein besseres Leben führe?
Wieviel Geld ihr für mich ausgegeben habt? 5000 Euro?
Dass Ihr unser Haus verkauft habt, um Pässe zu erhalten?
Denkt ihr, es liegt an mir, dass es mit eurem Nachzug nicht klappt?
Denkt ihr wirklich, dass ich euch hier nicht haben will?

Soll ich euch mal was sagen!
Ich bekomme 50 Euro Taschengeld. Keine 300.

Ich kriege Schuldgefühle, wenn ich höre, dass es euch nicht gut geht.
Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich weiß, dass ich euch nicht helfen kann.

Aber die für mich wichtige Frage ist:

Glaubt ihr wirklich, ich würde euch nicht helfen, wenn ich es könnte?

 

 

The Poetry Project, Foto © Rottkay

Rojin Namer (*2002)

stammt aus dem kurdischen Kamischli in Syrien, sie wuchs jedoch die meiste Zeit ihres Lebens in Damaskus auf. Vor drei Jahren kam das Mädchen als unbegleitete Minderjährige nach Berlin. Ihre Eltern und Geschwister leben als Flüchtlinge in Irak. Rojin möchte Fotografin werden und, falls sie das Abitur schafft, Philosophie studieren. Foto © Rottkay

Spuren

Yasser Niksada

Panshir, Afghanistan, aufgewachsen in Iran


Sei neben mir und sieh,
was mir geschehen ist.
Es ist vorbei, die Spuren noch im Herzen.
Kein Platz für mich für Schlaf in diesem Bus.
Die Füße vertrocknet, der Traum versank im Auge.
Die Polizei sagte Stopp.
Geht zurück, geht zurück.
Alle dann in den Waggons, nur ich allein auf dem Gleis.
Das Schlauchboot sank und mein heißes Herz für Europa wurde kalt.
Die Welt schlief, nur wir waren wach,
hungrig, durstig, müde.
Wir sind ja weggegangen, schwieriger wird es, zurückzukehren.
Das ganze Sich-Zerreißen, für ein bisschen Ruhe.
Nicht meine Ruhe.
Die Ruhe meiner Familie.

 

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Yasser Niksada (*2002)

Yasser Niksada stammt aus dem Panshir-Tal in Afghanistan. Vor zehn Jahren flohen die Niksadas nach Teheran, dort lebt die Familie als Flüchtlinge. Aber das ist kein Leben, sagt Yasser. Deshalb schickte die Familie ihn auf die Reise nach Europa. In Deutschland vermisst Yasser seine Familie. Foto © Rottkay

Ohne Dich

Shahzamir Hataki

Mazar-e-Sharif, Afghanistan


Das Leben hier zu führen ohne dich,
ist schwierig, Vater.
Ich bin durstig nach deinen Tränen.
Auch das Weinen hier unter diesen Leuten ist schwierig, Vater.
Wenn du jetzt dort schreitest und über Dornen gehst, Vater,
spüre ich die Schmerzen deiner Füße.
Ich wünschte, mich in Deine Arme zu werfen.
Dich aus dieser Entfernung zu küssen, ist schwierig, Vater.
Meine Lippen würde ich abreißen dafür,
aber ohne Lippen zu trauern, ist schwierig, Vater.

Du bist die schönste Blume in einem Feld von Blumen.
Du bist die Farbe der Sonne, die sich zum Abend neigt.
Du leuchtest wie die Sterne, mein Vater,
und du bist hell wie der Mond.

 

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Shahzamir Hataki (*2000)

Shahzamir Hataki aus Mazar-e-Sharif, Afghanistan, ist der einzige Sohn seiner Eltern. Sie wollten sein Überleben und seine Zukunft sichern und schickten ihn deshalb fort. Auf der Überfahrt nach Griechenland sank das Boot und Shahzamir entging nur knapp dem Tod. Foto © Rottkay

Frauen

Samiullah Rasouli

Ghazni, Afghanistan


Wenn ich sage, Frauen, dann meine ich echte Frauen,
diejenigen mit Brauen, Nasen und Schultern.

Die von Beginn an nur sich selbst gehören,
die nicht selbstsüchtig sind und stolz auf ihre Gaben,
die sich in ihrer einfachen Schlichtheit lieben
und einfach nur sie selbst sein wollen
und keiner anderen ähneln.
Diese Frauen meine ich, wenn ich sage Frauen.

Das Licht in ihrem Blick ist wie der Duft von Kobeko*
Ihre wohlwollende Hand ist unvergleichlich wertvoll.
Die Weisheit scheint unter ihrer Schminke hervor.

In Schönheit schreitet sie in der Öffentlichkeit.
Der wässrige Mund der Gaffer ist ihr gleich.
Die selbstbewusste, starke Frau verfolgt ihre Gaben und Talente.

Einige Frauen bleiben zuhause, sie lösen sich auf und werden zu Wasser.
Und diejenigen, die rausgehen, werden zu Brot und Speisen.
Und wenn ich sage Frauen, meine ich diese Frauen.

*Parfum mit dem Namen “Berg an Berg”
 
Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
The Poetry Project | Foto © Rottkay

Samiullah Rasouli (*1999)

Samiullah Rasouli wuchs in Ghazni, Afghanistan, auf. Die Region ist bis heute immer wieder umkämpft. Sein Vater starb vor vier Jahren. Vier Wochen war Samiullah auf der Flucht. Kürzlich begann er eine Lehre zum Hotelkaufmann. Seine Gedichte handeln von der Liebe und der Sehnsucht nach dem Vater. Foto © Rottkay

Nur Du

Mahdi Hashemi

Ghazni, Afghanistan, aufgewachsen in Iran


Wir sehen jetzt Zeiten,
in denen du da bist,
und nur du.

Du liebst und du wirst nicht geliebt.
Du fühlst Nähe und keiner da,
an den du dich lehnen kannst.


Du hast alles und doch hast du nichts.
Die Wunde verborgen,
hinter dem Schleier der Tränen,
bleibt das Geheimnis ungelesen.


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
The Poetry Project | Foto © Rottkay

Mahdi Hashemi (*2000)

Mahdi Hashemi wurde als Kind afghanischer Flüchtlinge in Iran geboren. Er wuchs nahe der Hauptstadt Teheran auf. Mahdi schreibt darüber, warum sich afghanische Flüchtlinge in Iran sogar dafür entschuldigen, dort die Luft zu atmen. Foto © Rottkay

Mutter

Kahel Kaschmiri

Ghazni, Afghanistan


Wärest Du doch hier,
ich würde deine Füße küssen.
Ich würde mich verneigen vor dir
und Dein Antlitz küssen.

Überall wo du hingingst und verweiltest,
möchte ich hingehen und weinen.


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foro © Rottkay

Kahel Kaschmiri (*2000)

Kahel Kaschmiri wuchs in der afghanischen Provinz Ghazni auf. Ein Miliz-Kommandeur hatte es auf den Jungen abgesehen. Kahel floh durch den Iran, im Kofferraum eines Schleppers. In Deutschland wundert er sich über das Leben der Europäer. Foto © Rottkay

Hoffnungslos

Ghani Ataei

Herat, Afghanistan



Sie töteten vor meinen Augen, im Dorf.
Vier Tage konnte ich nicht sprechen.
Vier Tage blieb ich stumm.

Bis ich verstand.
Niemand erwartet etwas von niemandem.
Jeder kann jedem alles tun.

Gleich, wie viel ich älter werde,
wie erwachsen ich sein werde,
wenn ich unruhig bin und voller Sorge,
wünschte ich die Mutter an der Seite.
Aber ich bin hoffnungslos,
was die Welt angeht. 


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Ghani Ataei (*2000)

Ghani Ataei wuchs in der alten, afghanischen Handelsstadt Herat auf, an der Grenze zu Iran. Sein Vater wurde während des Krieges getötet, die Mutter starb bei einem Unfall. Als Waisenkind machte er sich allein auf den Weg nach Deutschland. Foto © Rottkay

Beginn des Lebens

Mohamad Mashghdost

Bandar Anzali, Iran



Der Beginn des Lebens war,
dass ich nicht existierte.

Es gab eine Mutter.
Sie war mein Gott.
Es war eine einseitige Liebe.

Es gab einen Vater.
Er war nie da.

Der Körper kam zur Ruhe,
nicht der Geist.
Ich blieb ohne Trost.

Die Schwester wollte mir die Mutter sein.
Aber sie war müde.

Ich liebte die Mutter.
Sie starb.

Ich wollte gehen
und ich blieb.

Ich wollte bleiben
und ich ging.

Nicht das Gehen war wichtig
und nicht das Bleiben.

Ich war wichtig,
der ich nicht existierte.


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Mohamad Mashghdost (*1997)

Der Sohn eines Taxifahrers aus Bandar-e Ansali, Iran, machte sich im Herbst auf nach Europa. In der Heimat fürchtete er, in den Krieg nach Syrien eingezogen zu werden. Nach seiner Ankunft in Berlin schrieb Mohamad Mashghdost einige herausragende Gedichte über die iranische Tristesse und seine Sehnsucht nach Leben. Mohamad lebt heute in Husum. Foto © Rottkay

Morgen

Ali Ahmade

Bamyan, Afghanistan

Sei ruhig, sagst du zu mir.
Und erinnerst mich daran, dass du doch da bist.
Was morgen ist, das weiß ich nicht.
Verzeih, dass ich von morgen nichts sagen kann.
Aber heute bin ich ja noch da.

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta

Ali Ahmade (*2000)

Das Gedicht beschreibt die Gedanken an seine Mutter, bevor er in der Türkei ins Boot steigt und nicht weiß, ob er die Überfahrt nach Griechenland überleben wird. Ali Ahmade gehörte 2015 zu den jüngsten allein nach Deutschland Geflüchteten, die zum Poetry Project stiessen. Heute lebt er in Süddeutschland in einem Heim.

Wie ein Pfeil

Mahdi Hashemi

Ghazni, Afghanistan, aufgewachsen in Iran

 

Einen Monat lang ging die Reise,
die keine Reise war,
sondern ein Schrecken, 

in das Land der Hoffnung. 


Jetzt warte ich auf ein Papier,

das vielleicht Bitterkeit enthält und Trauer.
Und fühle mich wie ein Pfeil.
Verschossen. 

Der zurückkehren soll
zu seinem Bogen.


Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
The Poetry Project | Foto © Rottkay

Mahdi Hashemi (*2000)

Mahdi Hashemi wurde als Kind afghanischer Flüchtlinge in Iran geboren. Er wuchs nahe der Hauptstadt Teheran auf. Mahdi schreibt darüber, warum sich afghanische Flüchtlinge in Iran sogar dafür entschuldigen, dort die Luft zu atmen. Foto © Rottkay

Heimat

Mohamad Mashghdost

Bandar Anzali, Iran


Meine Heimat habe ich verlassen,
mein Herz. Jetzt ist es wie Schlaf und Traum
und brennt in der Tiefe meines Körpers.
Die weinende Mutter hat mich fortgeschickt.

Die Leiden sind zu Ende, sagte ich.
Ich packte und machte mich auf den Weg.
Leib und Seele überließ ich dem Ozean,
Gott, ich existiere noch, danke.

Gott möge das Meer verfluchen, dass die Leiber verschlingt.
Das Gebet und die Liebe für die Schwester halfen mir anzukommen.
Aber meine Augen haben die Farben des Unglücks gesehen.
 

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Mohamad Mashghdost (*1997)

Der Sohn eines Taxifahrers aus Bandar-e Ansali, Iran, machte sich im Herbst auf nach Europa. In der Heimat fürchtete er, in den Krieg nach Syrien eingezogen zu werden. Nach seiner Ankunft in Berlin schrieb Mohamad Mashghdost einige herausragende Gedichte über die iranische Tristesse und seine Sehnsucht nach Leben. Mohamad lebt heute in Husum. Foto © Rottkay

Liebe

Samiullah Rasouli

Ghazni, Afghanistan

 

Wenn Du mich wegen meiner Schönheit liebst,
dann lieb mich nicht.
Liebe stattdessen die Sonne und ihre Strahlen.

Wenn du mich für meine Jugend liebst,
dann lieb mich doch lieber nicht.
Verlieb dich dann lieber in den Frühling,
weil er doch jedes Jahr wiederkommt.

Wenn du mich wegen meines Geldes liebst,
dann lieb mich doch lieber nicht.
Dann lieb doch lieber den Pari*.

Wenn du mich liebst,
weil ich der richtige Junge bin,
dann sollst du mich lieben.
Liebe mich so lange,
solange ich Deine Liebe erwidern kann.

*mythologischer Fisch, der Rubine und Smaragde im Mund trägt.
Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
The Poetry Project | Foto © Rottkay

Samiullah Rasouli (*1999)

Samiullah Rasouli wuchs in Ghazni, Afghanistan, auf. Die Region ist bis heute immer wieder umkämpft. Sein Vater starb vor vier Jahren. Vier Wochen war Samiullah auf der Flucht. Kürzlich begann er eine Lehre zum Hotelkaufmann. Seine Gedichte handeln von der Liebe und der Sehnsucht nach dem Vater. Foto © Rottkay

Mein letzter Sommer in Afghanistan

Kahel Kaschmiri

Ghazni, Afghanistan


…war heiß, die Sonnenstrahlen brannten, so sehr,
daß ich kaum arbeiten konnte.
Aber kann es sein, daß man nicht arbeitet?
Nicht zu arbeiten bedeutet, zu hungern und auf der Straße zu leben. Wo hätten ich und meine Familie Unterschlupf gefunden?
Ich benetzte mein Gesicht mit Wasser, zog ein dünnes, weißes Hemd an, und ging zum Bazar, um mich um die Kunden im Geschäft zu kümmern.

In Berlin dagegen habe ich den Sommer gar nicht mitbekommen. Es war fast immer kalt. Nur einige Tage war es heiß. Und dann liefen alle nackt durch die Straßen.
Oder lagen in den Parks. Oder gingen schwimmen. Und ich war verblüfft, wie ging das, daß sie nackt durch die Straßen laufen und im Park liegen und abends noch etwas zu essen finden?
Aber der Sommer in Afghanistan war nicht nur heiß.
Er schmerzte. Es waren die Schmerzen meiner Mutter.
Die Armut und die Verzweiflung meines Vaters.
Die Ausweglosigkeit meiner Schwester, die sich vor den gierigen Blicken von Kopf bis Fuß verhüllen musste. Schließlich hat man sie verheiratet, obwohl sie jünger ist als ich. Und jetzt hat sie schon einen Sohn. Ich frage mich, ist das ihr Sohn - oder ist das ihre Puppe?

In meinem letzten Sommer in Afghanistan hat auf meinem Weg zur Arbeit ein bewaffneter Motorradfahrer einen Polizisten erschossen. Er flüchtete. Dieser Polizist war frisch verheiratet. Es war der Beginn seines Lebens. Er wollte nur seiner Arbeit nachgehen und Geld verdienen.
Aber er starb in einer Sekunde.
Bis die Polizisten kamen, war er schon aus der Welt geschieden.

Wollt ihr, daß ich euch nochmal von meinem letzten Sommer in Afghanistan erzähle?

Ich liebte es, Motorrad zu fahren, umherzustreifen und Gas zu geben. Die Luft wehte in mein Gesicht und die Sonne schien und ich gab Gas. Ich dachte nur an die schöne Natur von Ghazni und beschleunigte.
Auf einmal überholte mich ein Auto. Es fuhr langsamer. Der Fahrer gab mir Zeichen. Halt an!
Ich bekam Angst. Ich gab Gas und flüchtete. Ich rief meinen Cousin an: Ich rief: »Öffne das Tor, hinter mir sind Leute her. Sie wollen mich entführen.«
Es waren die, die hinter den schönen Jungen her sind.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit, flog ich in seine Richtung, in sein Haus. Er öffnete das Tor und ich stürzte hinein.
Ich atmete durch und dankte Gott.

Wollt ihr, daß ich euch nochmal von meinem letzten Sommer in Afghanistan erzähle?

Nach einem Jahr in der Fremde war ich froh, endlich eine Bleibe gefunden zu haben, ein Zimmer nur für mich selbst.
Vier Wände hatte ich für mich, sowie einen Schlüssel für eine Tür, über den ich selbst verfügen konnte.
Ich seufzte, öffnete die Tür und schlief vor Erschöpfung ein.

Meine Augen waren noch nicht ganz geschlossen, da öffnete sich eine Tür und ich fühlte die Schwere der Anwesenheit von jemandem. Ich hielt die Augen geschlossen, die Decke über das Gesicht.
Plötzlich spürte ich die Schwere seines Körpers auf meinem Körper, und der Schweiß brach mir aus. Ich begann zu zittern.
Ich öffnete den Mund, aber kein Laut kam heraus.
Ich hörte das Wesen sagen: Was machst du hier und warum bist du hierher gekommen?
Ich fing an zu schreien, so laut, daß ich von meinem eigenen Schrei erwachte.

Er war fort und ich fragte mich, wer es wohl gewesen sei?

 

Michael Krasnov hat sich mit »Mein letzter Sommer in Berlin« auf diesen Text bezogen.
Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foro © Rottkay

Kahel Kaschmiri (*2000)

Kahel Kaschmiri wuchs in der afghanischen Provinz Ghazni auf. Ein Miliz-Kommandeur hatte es auf den Jungen abgesehen. Kahel floh durch den Iran, im Kofferraum eines Schleppers. In Deutschland wundert er sich über das Leben der Europäer. Foto © Rottkay

Rausch und Wahn

Shahzamir Hataki

Mazar-e-Sharif, Afghanistan


Liebe ist ein Rausch und Wahn
und fremd zur Welt,
Sie sitzt immer da, von der Dämmerung bis zum Morgenrot.
Liebe bedeutet ein Lächeln in nass geweinten Augen,
Liebe bedeutet, sein Leben wegzuwerfen.
Liebe bedeutet, Tränen zu vergießen.
Liebe bedeutet, zu sein und dabei zu verbrennen.
Liebe bedeutet, sein Leben aufs Spiel zu setzen.

Erlitte ich nicht diesen Schmerz,
mein Antlitz hätte nicht den Ausdruck der Enttäuschung.

Wäre die letzte Seite der Liebe doch die Nachricht,
dass der Regen noch aufhört.

Hätte ich gewusst, dass Liebe sowas macht,
hätte ich die Liebe angekettet.

 

Übersetzung aus dem Persischen: Aarash D. Spanta
Foto © Rottkay

Shahzamir Hataki (*2000)

Shahzamir Hataki aus Mazar-e-Sharif, Afghanistan, ist der einzige Sohn seiner Eltern. Sie wollten sein Überleben und seine Zukunft sichern und schickten ihn deshalb fort. Auf der Überfahrt nach Griechenland sank das Boot und Shahzamir entging nur knapp dem Tod. Foto © Rottkay

Heimat

Mahdi Rezaei

Teheran, Iran

 

Ohne Heimat sein? Das will ich nicht.

So wie der Geist nicht ohne Körper sein kann.

Blut und Erde werden aus meinem Land gesaugt, seit Jahren.

Menschen ermordet, Kinder. Leben zerstört.

Heimat? Die Menschen blieben mit ihren Schmerzen allein

Heimat? Die Menschen wurden ohne Hilfe zurückgelassen

Tränen fließen

Meiner Heimat geht es nicht gut –

Verletzt von den feindseligen Freunden

Verletzt von den Verbündeten

In Trauer, wehrlos

Die Menschen suchten ihre Chancen,

Sie bildeten sich, taten alles.

Ohne Perspektive.

Heimat?

Auch sie verlassen jetzt das Land.

 

 

Mahdi Rezaei (16)

ist in Teheran im Iran geboren und aufgewachsen. Er stammt aus einer Familie afghanischer Flüchtlinge, 2015 floh er von Teheran nach Deutschland.

Atme

Ronja Lutz

Berlin, Deutschland

 

(Nafas kashidan, rasidan.) Atme. Atme!

Es wird schon besser.

Jeden Tag besser.

Atme. Allein. Atme.

Zwei Jahre schon.

Ganz. Atme. Afghanistan. Ein.

Ich und er.

Und er vermisst seine Familie.

Natürlich tut er das. Keine Frage.

Sein Lachen klingt leise, wie von Oma, die von ihrer Jugend im Lager erzählt.

„Was soll man machen.“

Wie das damals so war.

Nur, dass damals jetzt ist.

 

Ronja Lutz (23)

ist aufgewachsen in Berlin. Sie versucht in ihrer Arbeit, Intellektuelle zu möglichst wirksamer Forschung zu bewegen. Außerdem hat sie eine Vorliebe für Suppe, philosophische Mitternachts-Gespräche und Glitter. Eine Sache, die sie gerne mal lernen würde, ist Stepptanzen. Ihr Gedicht handelt von Krieg und Flucht, damals wie heute.

Was ich an Afghanistan nicht vermisse

Somayeh Hasanzadeh

Herat, Afghanistan

 

Was ich an Afghanistan nicht vermisse:

Die Gefahr auf den Straßen. Abends, ab 20 Uhr, geht keine Frau mehr allein aus dem Haus, es passiert immer etwas Schlimmes.

Was ich an Afghanistan nicht vermisse:

Als Kind gezwungen zu sein, eine Burka zu tragen, nur die Augen frei. Was ist das für ein Land, das kleinen Mädchen eine Decke über den Kopf wirft?

Was ich an Afghanistan nicht vermisse:

Der verzweifelten Mutter zusehen zu müssen, wie sie mit der Gaskartusche ins Badezimmer geht und versucht sich anzuzünden. Aus Verzweiflung, für die vielen Kinder, für meine Geschwister und mich, kaum Essen zu haben und Hunger leiden zu müssen. Vater hat die Türe eingeschlagen und Mutter aus dem Bad gezogen, mit Verbrennungen am Körper.

Was ich an Afghanistan nicht vermisse:

Die Tränen meiner Kindheit, die ich mit meiner Freundin teilte. Meine Freundin musste zusehen, wie der Vater die Mutter schlug. Er schlug sie so fest, dass sie starb. Der Vater nahm sich einfach eine neue Frau. Keine Polizei, keine Verurteilung. Wenn einmal Polizisten kommen, dann zahlt man Geld und sie gehen wieder.

Im BAMF-Interview haben sie mich gefragt:

Was machst du, wenn wir dich abschieben?

Ich habe geantwortet:

Ich würde mich vor euren Augen verbrennen.

 

Somayeh Hasanzadeh (25)

stammt aus Herat, Afghanistan und ist im Iran aufgewachsen. Der Text ist eine mündliche Erzählung über Afghanistan.

Heute fühle ich mich frei

Robin Osman

Kamischli, Syrien

 

Heute fühle ich mich frei

Ich darf meine Muttersprache sprechen: Kurdisch

Ich bin frei, es gibt keine Grenzen

Nun kann ich alles lernen, was ich möchte

Weil ich in Deutschland bin

Früher war ich in Syrien

Aber ich bin Kurdin

Als Kurdin darf ich dort nicht studieren

Als Kurdin ist es mir dort nicht erlaubt zu arbeiten oder meinen Beruf auszuwählen

Als Kurdin darf ich mich in Syrien nicht frei bewegen und reisen

Ich habe eine syrische Staatsangehörigkeit beantragt

Aber keine syrische Staatsangehörigkeit bekommen

Weil ich Kurdin bin

Weil ich Kurdin bin

Ist mir vieles nicht erlaubt.

 

Robin Osman (24)

stammt aus dem kurdischen Kamischli in Syrien. Sie möchte in Deutschland Sozialarbeiterin werden.

 

Liebe und Trennung in Deutschland

Mahdi Rezaei

Teheran, Iran

 

Die Liebe ist eine Angelegenheit, mit der viele befasst sind.

Einige sind erfolgreich, andere scheitern.

Was geschieht mit den Liebenden?

Mit denen, die zusammenbleiben und jenen, die auseinandergehen?

Ich gestehe: Für uns junge Männer ist es schwierig, in den Straßen zu wandeln,

in den Clubs, in der Schule.

Wenn wir sehen, wie sie auftreten, wie sie reden, wie sie sich kleiden.

Der Mensch hat Ohren, Nase, Augen, Sinne.

Er hört. Er riecht. Er sieht. Hat ein Verlangen.

Mädchen und Jungen.

Ihr wisst, ein Junge verliebt sich über das Auge.

Und wenn er sich verliebt, verfolgt er diese Liebe.

Aber, findet er sie auch?

In diesem Zustand gibt es nur zwei Möglichkeiten.

Entweder sie bleiben zusammen und werden gemeinsam alt.

Davon gibt es nur wenige.

Oder sie gehen nach kurzer Zeit auseinander.

Aber in der kurzen Zeit, in der sie zusammen sind, machen sie viele Dinge gemeinsam.

Sie gewähren sich tiefe Einblicke in ihre Seele.

Eine tiefe Verbindung entsteht.

Wir Männer fürchten, der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden.

Deswegen fällt uns Männern die Trennung so schwer.

 

Mahdi Rezaei (16),

geboren im Iran, als Flüchtling afghanischer Eltern, über die Trennung von einem geliebten Menschen in Deutschland.

Herr Friedrich, König der Ausländerbehörde

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Seit ich in Deutschland angekommen bin,

habe ich warmherzige und böswillige Menschen getroffen.

Wohlwollende Menschen unterstützen mich immer wieder,

während böswillige Menschen mir Steine in den Weg legen.

 

Die Person, die mir jeden Monat eine Woche meines Lebens ruiniert,

ist niemand anderes als der werte Herr Friedrich.

Er arbeitet bei der Ausländerbehörde.

Jedes Mal, wenn ich dort hingehe, hat er einen Spruch auf Lager, der mich einschüchtern soll.

Und wenn ich dann weine, habe ich das Gefühl, er freut sich.

Als er mit meinem Anwalt sprach, sagte er ihm:

„Mal gewinnen Sie, mal gewinne ich.“

Ich wünschte, jemand würde Herrn Friedrich sagen, um was es hier geht.

Nicht um den täglichen Kampf zwischen ihm und meinem Anwalt.

Nicht darum, wer von beiden gewinnt oder verliert.

Was auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als mein Leben.

 

Herr Friedrich ist jemand, der alle Afghanen für falsch, verlogen

und für Taugenichtse hält.

Und immer wieder muss ich sagen:
Niemand von uns ist freiwillig hierhergekommen.

Niemand verlässt gerne seine Familie und sein Land,

so verwahrlost und heruntergekommen die Heimat auch sein mag.

Diese Woche bin ich wieder in der Ausländerbehörde gewesen.

Zwei Stunden habe ich auf meinen Termin gewartet.

Dann wurde ich wieder fortgeschickt.

Herr Friedrich selbst war es, der mich abwies.

Als er sah, wie niedergeschlagen ich war, grinste er selbstzufrieden.

Wieder warten.

Fünf Stunden lang.
Auf den nächsten Termin.

Ich habe gehört, Deutschland sei das Land,

in dem Menschen Gerechtigkeit widerführe

und so hoffe ich für Herrn Friedrich,

der sich anmaßt wie der König der Ausländerbehörde aufzutreten

und glaubt, alle Macht der Asylwelt zu besitzen,

dass er eines Tages die Quittung für sein Verhalten bekommt.

 

Die Menschen im Senat habe ich gefragt,

was sie getan hätten, wenn sie an meiner Stelle gewesen wären.

Sie hatten keine Antwort.

 

Robina Karimi (17)

floh allein aus Kabul in Afghanistan. Ihre Mutter starb früh, ihr geliebter Bruder ist noch in der Heimat. Da sie trotz anders lautender Angabe in ihrem Pass als volljährig eingestuft wurde, musste Robina eine betreute Unterkunft verlassen und wohnt nun mit ihrer Schwester zusammen, die mittlerweile ebenfalls zum Arbeiten nach Berlin gekommen ist.

Gewalt und Stolz

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Habe ich kein Recht, meinen Lebensgefährten auszusuchen?

Was unterscheidet eine Afghanin von einer deutschen Frau?

Beide sind Frauen!

Besteht der Unterschied im Deutschsein und Afghanischsein?

Die Last der Tugend liegt auf den Schultern der Frau.

Ein Mann tut, was er möchte.

Wenn aber ich meinem Willen freien Lauf lasse, bin ich es, die schlecht ist.

Ich bin ein Mensch.

Ich atme.

Ich will leben.

Ich will frei sein und fliegen.

Und das Leben, das Gott mir geschenkt hat, genießen.

Wieso willst du dieses Leben von mir nehmen, mir die Freiheit verwehren?

Auch ich bin ein Mensch.

 

Junge, hier ist nicht Afghanistan!

Sieh dich um, mach die Augen auf.

Die Dinge, die du mir dort antatest, kannst du einem Mädchen hier nicht antun.

Hier entscheidest du nicht allein.

Hier entscheidet auch sie, ob sie mit dir sein will oder geht.

Hier sind unsere Rechte gleich.

Du musst mich anerkennen.

Hier ist es ausreichend, Frau zu sein.

 

Robina Karimi (17)

aus Kabul, Afghanistan, über Gewalt und verletzten Stolz, wenn die Liebe geht. Sie floh vor der Gewalt eines Verehrers in ihrer Heimat.

Allein

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Allein in einem Zimmer

Allein in der Dunkelheit

Allein und ohne meine Familie

lernte ich die Einsamkeit kennen,

sie legte sich neben mich.

Und die Gedanken von gestern kreisten,

sie kreisten die ganze Nacht – gestern

gestern gestern – in meinem Kopf.

Gestern, als ich noch bei meiner Familie war.

Und jetzt! Wo bin ich jetzt?

Werde ich meine Familie wiedersehen?

 

Doch der Morgen kam auch nach dieser Nacht.

Der Trost nahm Platz,

er setzte sich neben mich:

»Die Welt, die Welt ist manchmal kleiner, als du ahnst.«

“Bedenke!”

»Wo warst du gestern und wo bist du heute?«

»Schlagartig hat sich dein gesamtes Leben verändert.«

Und nun?

Und nun gewöhne ich mich jeden Tag ein bisschen mehr

an das Alleinsein.

 

Robina Karimi (17)

floh allein aus Kabul in Afghanistan. Ihre Mutter starb früh, ihr geliebter Bruder ist noch in der Heimat. Da sie trotz anders lautender Angabe in ihrem Pass als volljährig eingestuft wurde, musste Robina eine betreute Unterkunft verlassen und wohnt nun mit ihrer Schwester zusammen, die mittlerweile ebenfalls zum Arbeiten nach Berlin gekommen ist.

Du stehst nicht mehr am Anfang

Sophie Senger

Berlin, Deutschland

 

Am Anfang ist die Ungerechtigkeit

Sie nagt an dir

Wie der Hunger, der deinen Bauch auffrisst

Dann kommt der Wille

Der Wille etwas zu ändern

Er zerrt an dir, wie der Wind an den Segeln

Du schaust nach oben

Du siehst die Vögel, die in den Süden fliegen

Als wären sie schwerelos

Als bestünden sie aus Federn und Freiheit

Das Geräusch der Wellen umringt dich und du sinkst ganz tief

Aber beim Sinken fühlst du dich frei

Du siehst die Ungerechtigkeit, den Hunger, die Angst und die Trauer

An dir vorbeischwimmen

Du lässt alles hinter dir

Was bleibt, ist einzig die Freiheit

Kommst du am Boden an, bist du ein Vogel

Nichts zerrt, reißt, drückt mehr

Die Qual ist vorbei

Du bist ein völlig anderes Wesen

Nichts zählt mehr, außer deinem Willen

Am Anfang ist die Ungerechtigkeit

Aber du stehst nicht mehr am Anfang

 

Sophie Senger (18)

hat gerade ihren Schulabschluss gemacht, an der Bertha-von-Suttner-Oberschule in Berlin. Sie liebt es, die Geschichten und Gedichte anderer Leute zu hören und wünscht sich einen offeneren Umgang mit Unbekanntem, sodass Menschen einander helfen statt zu hassen.

Das Mitgefühl auf dem Rücken einer Fliege

Sadat Pana Sayed

Kundus, Afghanistan

 

Arrogant ist der Mensch zum Scheitern verurteilt,

Weil Gott keine arroganten Menschen liebt.

Meistens werden Menschen arrogant,

Sobald sie ein bisschen Ruhm erlangt haben.

Sobald sie Ruhm erlangt haben,

Vergessen sie plötzlich alles:

Wer sie einmal waren,

Wer sie einmal sein wollten.

Solchen Menschen fehlt es an Würde und Respekt.

Nur weil sie reich sind,

Wollen sie die Hand eines Armen nicht mehr berühren.

 

Sollte ein Reicher

All sein Hab und Gut

Auf den Rücken eines Elefanten stapeln,

Würde dieser brechen.

Legte er aber sein Mitgefühl auf den Rücken einer Fliege,

Sie könnte fliegen bis zum Hindukusch.

Sadat Pana Sayed (21)

stammt aus Afghanistan und lebt seit drei Jahren in Berlin. Er trainiert Boxen, denn sein Wunsch ist es, professioneller Boxer zu werden.

Ist es ein Verbrechen, Afghanin zu sein?

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Ist es ein Verbrechen,

in Afghanistan auf die Welt gekommen zu sein?

Warum ich das frage?

Weil man als Afghanin überall auf der Welt auf Missachtung trifft.

Warum steht einem als Afghanin im Iran keine Bildung zu?

Warum erhalten wir Afghanen in Deutschland

nicht denselben Aufenthaltsstatus wie andere Geflüchtete?

Auch wenn wir in einem anderen Land als Afghanistan geboren werden,

werden wir dennoch als Afghanen stigmatisiert.

Auch wenn wir das Land in unserem Leben nie gesehen haben,

werden wir nur auf unser Afghanisch-Sein herabgewürdigt – oder sagen wir besser:

gering geschätzt.

Glaubt ihr wirklich,

es ist einfach, seine Mutter, seinen Vater und seine Schwester zu verlassen?

Glaubt ihr wirklich,

es ist einfach, allein und fern seiner Liebsten zu leben?

Glaubt ihr wirklich,

wir wollen aus Vergnügen allein sein?

Nur Gott ist dazu bestimmt, allein zu sein.

Nur Gott allein.

Und so bitte ich Sie, in allen Ländern in denen wir Afghanen uns befinden

und versuchen zu leben – hört auf, uns zu quälen.

Jedes Land bringt seine Wohltäter, Genies und Verbrecher hervor.

Warum aber werden wir, als Afghanen,

allesamt dafür bestraft, wenn sich jemand jenseits der Norm oder schlecht verhält? Warum wird auf uns alle mit dem Finger gezeigt?

Es ist kein Verbrechen, Afghanin zu sein.

Denn: Auch ich bin ein Mensch.

 

Robina Karimi (17),

floh allein aus Kabul. Sie schildert das Misstrauen, mit dem sie als Afghanin zu kämpfen hat.

Mein letzter Sommer in Berlin

Michael Krasnov

aufgewachsen in Berlin, Deutschland


Mein letzter Sommer in Deutschland war warm,
die Sonnenstrahlen brannten so sehr,
dass ich fast jeden Tag schwimmen gegangen bin.

Wer arbeitet schon in den Sommerferien?
Nicht zu arbeiten bedeutet höchstens,
dass man sich dieses Jahr kein neues iPhone kaufen kann.

Ich benetze mein Gesicht mit Wasser,
hol mir ein Eis und chill mit meinen Freunden,
um sie noch zu sehen bevor ich verreise.

In der Türkei angekommen,
hab ich den Sommer fast gar nicht mitbekommen,
da es im Hotel immer klimatisiert war.
Nur draußen war es heiß.

Die Touristen liefen alle zum Strand,
oder lagen im Spa-Bereich oder gingen auf eine
Sightseeingtour.

Und ich war verblüfft,
Wie ging es, dass sie zum Strand liefen,
im Spa-Bereich lagen oder auf eine Sightseeingtour gingen
und trotzdem noch was vom Buffet abbekommen haben.

Aber der Sommer in Deutschland war nicht nur warm.
Es schmerzte. Es waren die Schmerzen meiner Freunde,
die Verzweiflung meines Bruders, die Ausweglosigkeit meiner Schwester,
da wir alle bald wieder zur Schule müssen.

Ich frage mich.
Sind die Sommerferien nur für mich so schnell vergangen,
oder ist das auch für andere so?

 

Dieser Text ist bezieht sich auf Kahel Kaschmiri's »Mein letzter Sommer in Afghanistan«.

Michael Krasnov (*1999)

Michael Krasnov stammt aus Berlin und besucht die Friedrich-Ebert-Oberschule. | Foto © Rottkay