Rosenherz

Sarah Oheed

Babylon, Irak

 

Yarin und Gasma sind klein aber fein
Ich fühle mein Dorf in meiner Seele
Meine Familie um mich herum gibt mir Vertrauen

Die Rose ist rot und wunderschön
Wie das Herz meiner Mutter
Es gibt Dornen an der Rose, die wehtun
Sie erinnern mich an ihre Tränen

 

Sarah Oheed (14)

ist vor vier Jahren mit ihrer Familie aus dem Irak nach Deutschland geflohen. Sie geht auf die Hector-Peterson-Schule, liebt Rollschuhfahren und Musik. Gedichte hat sie an der Jugendkunstschule Fri-X Berg geschrieben, da sie Gedichte liebt und weil sie für Sarah eigene Gefühle besitzen, die sie in sich selbst tragen.

Bilder von dir

Zakariyya Al Obydy

Bagdad, Irak

 

Wie ein Grab nimmt dir das Flugzeug deine Lieben.
Nach deiner Umarmung konnte ich nicht mehr laufen, wie ein Kind im Fieber.
Du und meine Tränen, ihr habt mein Gesicht geküsst.
Ich will dich wiedersehen und wieder.

Du bist ein Vogel und ich die Erde.
Eines Tages wird der Vogel auf die Erde fallen,
und ich höre traurige Lieder.

Alles war schwer: das Leben, die Entscheidung und das Wort »entweder«.
Entweder sterben oder weiterleben wie immer.
Doch »immer« ist noch schlimmer.

Ich habe dein Lächeln verloren und vermisse es noch.
So ist das Leben wie ein Zimmer.
Alle sind jetzt weg: du, die Freunde, das Haus.
Nur die Bilder sind geblieben.
Können wir (nur mit ihnen) zusammenleben?

An dich denken, wie ein Raucher, der alle fünf Minuten raucht.
Ich brauche dich und habe dich gebraucht.
Die Luft hat die Tür bewegt, und ich dachte,
da ist die Liebe gekommen.
Aber die Luft und die Tür: beide haben gelogen.

Der Vater wird beim Abschied betroffen sein,
und ich bin von beidem betroffen,
vom Abschied und vom Vater.

Der Gefangene lächelt manchmal im Gefängnis,
aber auf den nächsten Blick bedauert er es,
und mein Herz ist manchmal wie ein Krater.

In der Nacht:
deine Bilder und der Rauch,
und ich rauche deine Bilder,
wenn ich keinen Rauch mehr habe.

Mein Traum ist es, dass du vor meinen Augen stehst.
Ich will dich sehen, bevor du ins Grab gehst.

 

Zakariyya Al Obydy (17)

Auch, wenn der gebürtige Iraker sein Gedicht direkt auf Deutsch geschrieben hat, so ist die aufgeladene Emotionalität, die für irakische und arabische Poesie oft charakteristisch ist, nicht zu überhören.

Unser Haus

Amir Shaduli

Shingal, Irak

 

Wir hatten ein Haus, wir haben es selbst gebaut.
Mit Steinen die Wände, ihre Farben
rochen hell und dunkel und die Fenster waren
sehr groß, wir öffneten sie und schauten ins Freie.
Im Haus war der Boden mit Keramik gefliest und manchmal
hörte ich Nachbarn und die Straße.
Alles im Haus war besonders.
Es gab nur meine Familie und mich.
Das war mein Lieblingshaus, wir haben es selbst gebaut.

 

Amir Shaduli (23)

kam wegen des Kriegs aus seiner Heimatstadt Shingal im Nordirak nach Berlin. Kurdisch ist seine Muttersprache. In Wittenau besucht er die Emil-Fischer-Schule und möchte nach seinem Abschluss eine Ausbildung zum Friseur machen.