West-Östlicher Poesieabend

v.r.n.l. Gustav Seibt und Übersetzer Mustafa Al-Slaiman | Foto: Rottkay

16.05.2018 • 19:00 • Box Freiraum

Was Poesie leisten kann

Autoren und Literatur-Kenner aus Ost und West trafen sich vergangenen Mittwoch im Kunstraum Box Freiraum in Berlin-Friedrichshain. Mit ihren Texten tauschten sie sich aus darüber, wie Literatur zum Verständnis über die aktuellen Ereignisse beitragen kann, die so viele Geflüchtete zu uns brachten.

Benannt war der Poesieabend nach Goethes großer Gedichtsammlung: „West-östlicher Diwan".

In Berlin lebende Poeten lasen ihre sehr persönlichen Texte über die Ankunft in Deutschland, ihr Erinnern an den Krieg, den Alptraum, dem sie entflohen sind. Sie erzählten von der Zerstörung ihres Landes, die für sie viel tiefer geht, als nur ein Stück Erde zu verlieren. Was geschieht, wenn mit Gewalt die eigenen Wurzeln herausgerissen werden?

Goethe-Experte Gustav Seibt und Literatur-Übersetzer Mustafa Al-Slaiman lasen zweisprachig Goethes Gedicht „Hegire“.

Ayham Majid Agha schrieb über die Suche nach Geborgenheit in der Fremde und Sinneseindrücke aus seinem Heimatland, Syrien. Kefah Ali Deeb, ebenfalls aus Syrien, schilderte ihre alptraumhaften Erinnerungen an die Flucht, und wie sie in den Monaten davor in Damaskus verhaftet und gefoltert wurde.

Die jungen Autoren von The Poetry Project stellten ihre Texte vor, wie unterschiedlich ihr Leben in der Heimat war, verglichen mit dem Leben hier, zum Beispiel im Dialog von Kahel Kaschmiri, 17, aus Afghanistan mit dem Berliner Michael Krasnov, 18. Unsere neue Autorin Rojin Namer, 15, las davon, wie sie vor drei Jahren aus Syrien von den Eltern nach Berlin geschickt wurde, und wie die Erwartungen der Familie auf ihren Schultern lasten.

Der ehemalige Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, zitierte schließlich Gedichte – im Original gelesen von Mustafa Al-Slaiman – der großen Dichter des syrischen Poeten-Himmels, Adonis, Nizar Qabbani und Mohammad Al-Maghut.

Der bekannte Musiker und Komponist Ashraf Kateb aus Syrien nahm das Publikum mit seiner Geige auf eine Reise ganz eigener Art, er erinnerte an Orte und Personen, die heute nicht mehr sind.

Literaturinitiative Berlin

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Hanna Schygulla mit Workshop-Teilnehmern aus Eritrea | Foto: Rottkay

Dienstag, 20.02.2018 • 19 Uhr • Schwartzsche Villa

Ankunft – Meine Heimat im Gepäck.

Lesung des The Poetry Project e. V. in Zusammenarbeit mit dem Projekt TalentCAMPUS 18+ der VHS Steglitz-Zehlendorf

Hanna Schygulla liest zur Einführung aus Jenny Erpenbecks »Gehen, ging, gegangen« und Bertolt Brechts »Über die Bezeichnung Emigranten«. Die bekannte Schauspielerin unterstützt die LiteraturInitiative und deren Literaturprojekte für junge Menschen.

Allein nach Deutschland geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene aus Afghanistan, Irak, Syrien und Eritrea lesen ihre Gedichte. In ihren berührenden Texten geben sie Auskunft über Flucht, Ankunft in Deutschland, Sehnsucht und Fremdheit und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Die jungen Dichter sind Teilnehmer der Berliner Schreib-Initiative The Poetry Project, sie kommen von der Volkshochschule Steglitz, »Pfefferwerk« und dem Deutschen Roten Kreuz. Dabei sind ausserdem zwei Preisträger des Else Lasker-Schüler Lyrikpreises.

Gelesen wird auf Arabisch, Deutsch und Persisch. Im Anschluss der Lesung gibt es Gelegenheit zur Diskussion.

Künstlerische Leitung: Steffi Eisenschenk, The Poetry Project
Lesung der deutschen Texte: Florian Goldberg

CityKirche Elberfeld Wuppertal

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Samiullah Rasouli | Foto: Rottkay

Samstag, 10.02.2018 • Katholische Citykirche Elberfeld

Lesung mit anschliessender Diskussion: Die jungen Poeten - Ghani Ataei, Mahdi Hashemi, Kahel Kaschmiri, Samilullah Rasouli, Shahzamir Hataki und Yasser Niksada - gaben Auskunft, wie schwierig und zugleich aufregend es ist, aus einer anderen ganz Welt in die unsere zu kommen, wie sie versuchen, ihre Scheu vor fremden Menschen zu überwinden, warum das Schreiben für sie befreiend ist, und auch über ihren ersten Liebeskummer in Berlin. Der Wuppertaler Poetry Slammer Jan Philipp Zymny las die Gedichte auf Deutsch.

Else Lasker-Schüler-Lyrikpreis – Preisverleihung

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Günter Wallraff | Foto: Rottkay

Freitag, 09.02.2018 • Stadtsparkasse Wuppertal

Günter Wallraff hielt eine flammende und gleichsam einfühlsame Laudatio auf die berührenden Gedichte der jugendlichen Poeten. Er nutzte die Gelegenheit auch für Kritik an der deutschen Regierung und ihrer Politik gegenüber Kriegsflüchtlingen. Deutschland leide nicht an einer »Flüchtlingskrise, sondern an einer Humanitätskrise«, sagte Wallraff und erinnerte an den Sommer 2015, als viele Deutsche Flüchtlinge willkommen geheißen hatten, dass diese hilfsbereiten und liberalen Bürger, die »noch immer die Mehrheit« seien, dann aber nur kurze Zeit später durch fremdenkritische und rechtspopulistische Kräfte verdrängt wurden. Der Autor würdigte die vielversprechenden Talente der Preisträger – »Eure Lyrik öffnet die Herzen der Menschen«, zitierte die Westdeutsche Zeitung Wallraffs Appell: »Sorgen wir für eine bessere Zukunft gemeinsam mit denen, die bei uns Zuflucht suchen.« Westdeutsche Zeitung 
Der Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal Andreas Mucke las die Gedichte auf Deutsch.

»Die Texte seien erschütternde, erstaunlich reife lyrische Schicksalsbeschreibungen der 14 bis 18 Jahre alten Jugendlichen, die die Geschichte ihrer Flucht dokumentierten. Die poetischen Lebenszeichen erinnerten auch an deutsche Exilanten wie Else Lasker-Schüler und ihre Werke.« rbb

Else Lasker-Schüler-Gesellschaft

Sasha Waltz & Guests

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Shahzamir Hataki | Foto © Rottkay

Einen Schritt näher – Zuhören

Sonntag, 26.11.2017 • 16:30 • Radialstem • Studio A

Drei geflüchtete Jugendliche proben seit September 2017 mit den Tänzern der Kindertanzcompany Berlin. Sie sind damit Teil des geöffneten dritten Raums ZUHÖREN, von Sasha Waltz & Guests,  der eine Schnittstelle zwischen Kunst, Politik, Öffentlichem und Privatem herstellt. Die Stimmen der Poeten, die verschiedenen Sprachen - Persisch und Deutsch - die Wortbilder ihrer Gedichte, ihre Gedanken überlappen sich mit der Musik, bewegen sich im Tanz durch den Saal. Die Atmosphäre im Raum verdichtet sich, Kontraste entstehen, zwischen Leichtigkeit der Tänzer und der Melancholie der Texte und lösen sich wieder auf, die Melodien verbinden sich. Die Stimmen von Shahzamir, Yasser und Mahdi eröffnen einen Dialog und nehmen die Zuschauer mit in deren Gedankenwelt, ihre Erlebnisse, ihre Sicht auf die Dinge.

Vom 24. bis 26. November lädt Sasha Waltz Künstler*innen, Aktivist*innen und das Publikum zu Tanz, Musik, Film, Gesprächen und gemeinsamem Essen ins Radialsystem V ein. Themenschwerpunkte sind »The Art of Resistance« und »Empowerment of Communities«.

internationales literaturfestival berlin 2017

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Moderation: Susanne Koelbl | Foto: Rottkay

Ankunft II – Literarische Reportagen

Samstag, 16.09.2017 • 14:30 Uhr • 17. internationales literaturfestival berlin

Die jugendlichen Geflüchteten stellten Reportagen vor über Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen, die mit der Ankunft in Deutschland verbunden waren und sind – Kahel Kaschmiri mit »Die zerrissenen Schuhe«, Mahdi Hashmedi mit »Häutungen« und Shahzamir Hataki mit »Löwenherz«. Der Schauspieler Matthias Scherwenikas las die Reportagen auf Deutsch. Ausschnitte der Reportagen waren während des Festivals im Rahmen einer Ausstellung im Haus der Berliner Festspiele zu lesen.

Gedächtniskirche

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Yasser Niksada, Mahdi Hashemi, Samiullah Rasouli | Foto: Rottkay

10 Jahre Stiftung Telefonseelsorge

12.06.2017 • 19.30 • Gedächtniskirche

Renate Künast sprach in der Gedächtniskirche zum Jubiläum der Telefonseelsorge, bei dem auch die jungen Poeten Mahdi Hashemi, Yasser Niksada und Samiullah Rasouli ihre Gedichte vortrugen. Voller Respekt für die engagierte Arbeit der Telefonseelsorger/innen und sichtlich berührt vom Vortrag der jugendlichen Dichter, teilte die Politikerinn ihre Vorstellungen von einem gelingenden Miteinander in Berlin. Der Philosoph Florian Goldberg las die Gedichte auf Deutsch.

Lange Nacht der Ideen

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Banner | Foto: Rottkay

12.05.2017 • 19:00 • Auswärtiges Amt

Eine Veranstaltung des Auswärtige Amts zur Langen Nacht der Ideen, bei der Inhalte der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik präsentiert und Verbindungen zu Kultur und Bildung im Inland aufgezeigt wurden. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen hat das Sprachlernprogramm »Deutsches Sprachdiplom« für Willkommensklassen entwickelt. Im Rahmen der langen Nacht wurden gemeinsam mit anderen Partnern verschiedene Sprach- und Kulturprojekte mit Willkommensklassen präsentiert. Der Philosoph Florian Goldberg las die Gedichte auf Deutsch.

Bundesverwaltungsamt

Versfest

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Susanne Koelbl im Gespräch mit Teilnehmern am Schreibworkshop beim versfest 2017 | Foto: Rottkay

Lesung und Workshop

20.03.2017 • 11:15 • Collegium Hungaricum

Der Poetry Project-Workshop auf dem versfest war der Startpunkt für Kooperationen mit Schulen, die das Poetry Project in ihrer Integrationsarbeit einsetzen möchten. Am Workshop konnten ein bis zwei persischsprachige Mädchen sowie ein bis zwei persischsprachige Jungen aus Willkommensklassen der Stufen 8–13 teilnehmen. Außerdem konnten bis zu 150 Schüler*Innen der Klassenstufen 8–13 sowie alle weiteren Interessierten als Publikum an der Veranstaltung teilnehmen.

versfest

Box Freiraum

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Interview mit Ghani Ataei | Foto: Rottkay

Geflüchtete im Iran

07.02.2017 • 19:00 • Box Freiraum

Der Iran ist eines der wichtigsten Aufnahmeländer für afghanische Flüchtlinge. Millionen Afghanen haben ihr Heimatland verlassen, um in ihrem Nachbarland Schutz zu suchen. Dabei hat aber nur ein Drittel von Ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung; viele bewegen sich illegal im Land, verdingen sich als Tagelöhner. Zwischen der iranischen Mehrheitsgesellschaft und der afghanischen Gemeinschaft gibt es Spannungen. Nicht wenige sehen sie als Belastung für das System und als Wettbewerber um knappe Ressourcen.Noch im jugendlichen Alter, haben die Dichter von »The Poetry Project« den Iran als Flüchtlinge durchquert. Sie leben heute in Berlin, drücken ihre Erfahrungen in Poesie aus und knüpfen so an afghanische und persische Traditionen an. Lesung und Gespräch mit Jamaluddin Sajjadi. Die Schauspielerin Lydia Schamschula und der Philosoph Florian Goldberg lasen die Gedichte auf Deutsch.

Goethe Institut

internationales literaturfestival berlin 2016

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Mahdi Hashemi, Yasser Niksada | Foto: Rottkay

Kinder- und Jugendprogramm

16.09.2016 • 11:00 • Haus der Berliner Festspiele

Die jungen Dichter traten beim internationalen literaturfestival berlin 2016 ein zweites Mal auf, diesmal vor einem ganz anderen Publikum, das sich vor allem aus Schulklassen zusammensetzte. 

Nach dieser Lesung der jungen Dichter bildeten sich vor dem Büchertisch spontan lange Schlangen mit Dutzenden junger Menschen. Berliner Schülerinnen und Schüler standen an, um einen der Gedichtbände der Berliner Anthologie The Poetry Project zu erwerben und die Kriegsflüchtlinge um ein Autogramm zu bitten. Viele wollten mehr über die Autoren wissen und baten sie sogar um ihre Telefonnummer.

Schlagartig wurde klar: Wenn es Gedichte vermögen, dieses menschliche Interesse für einander zu wecken, funktioniert das nicht nur auf einem Literaturfest, sondern auch anderswo. Der beste Platz dafür ist natürlich die Schule und überall dort, wo Geflüchtete und deutsche Bürger regelmäßig zusammentreffen.

Die Schauspielerin Lydia Schamschula und die Spiegel Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl lasen die Gedichte auf Deutsch.