Todesweg nach Europa

Safaa Kleb

Daraa, Syrien

 

Wir lebten in Frieden,
dann kam der Krieg zu uns.
Er zerstörte alles Schöne in unserem Leben.
Meine Eltern waren ratlos,
ohne Ausweg aus der Krise.

Eines Tages ging mein Vater wie gewohnt zur Arbeit,
aber er kam nicht zurück.
Meine Mutter war verzweifelt und wir haben viele Tränen vergossen.
Abends kam der Anruf von Vater.
Wir müssen das Land verlassen, unser Zuhause.
Sofort.

Auf dem Weg nach Jordanien war ich sehr erschöpft.
Alles war sehr teuer.
Syrer durften nicht arbeiten.
Wir konnten nicht bleiben.

Wir flogen von Jordanien nach Algerien.
Freunde gaben uns Geld für das Ticket.
In Algerien wussten wir nicht, wohin wir gehen können.
Mein Vater suchte erfolglos Arbeit.
Ein Freund erzählte ihm von dem illegalen Weg nach Marokko.

Wir hatten keine Wahl und machten uns auf den Weg.
Der Weg war anstrengend, kostspielig, frustrierend.
In Marokko angekommen, gab es einen schönen Ausblick auf das Meer.
Und eine marokkanische Behörde, die uns zurück nach Algerien schicken wollte.

Wir hatten keine Wahl, wir gingen den ganzen Weg zurück.
Der Rückweg, er war noch anstrengender, kostspieliger, frustrierender.
Wir wussten, in Algerien können wir nicht bleiben.
Mein Vater entschied, über Libyen nach Europa zu fliehen.
Über den steinigen Grenzüberweg nach Tunesien ins überfüllte Libyen.
In Libyen ein Treffen mit Schmugglern.
Sie sollten uns über den Todesweg nach Europa führen.

Die Fahrt mit dem Boot war teuer.
Die Menschen waren ängstlich.
Mein Vater besorgte uns Rettungswesten, damit wir nicht ertrinken.
Wir hatten nur die Westen, unsere Rucksäcke voll mit Essen, und Decken für die Kinder.

Wir kannten unser Schicksal nicht.
Wussten nicht, ob wir überleben.
Entweder die Rettung.
Oder der Tod.

Das Schlauchboot war überfüllt, mit 150 Personen aus allen Nationen.
Wir fuhren in der Dunkelheit.
Ich war umgeben von der Angst vor dem Unbekannten.
Zählte die Stunden bis zur Morgendämmerung.
Das Boot wippte nach rechts und links, die Wellen erhoben sich.
Nach Stunden voller Anspannung und Müdigkeit fing das Boot an zu sinken.
Dann: die italienische Küstenwache in der Ferne.
Kinder und Frauen wurden zuerst gerettet, dann die Männer.

Wir fuhren mit dem Zug nach Deutschland.
Endlich: Sicherheit und Freiheit.
Vor Freude haben wir alle geweint.

 

Safaa Kleb (16)

flüchtete wegen des Krieges vor drei Jahren mit ihren Eltern und ihren sieben Geschwistern nach Wuppertal. Ihr geht und gefällt es hier sehr gut und sie wünscht sich, dass es auch weiterhin so bleibt.