Du stehst nicht mehr am Anfang

Sophie Senger

Berlin, Deutschland

 

Am Anfang ist die Ungerechtigkeit

Sie nagt an dir

Wie der Hunger, der deinen Bauch auffrisst

Dann kommt der Wille

Der Wille etwas zu ändern

Er zerrt an dir, wie der Wind an den Segeln

Du schaust nach oben

Du siehst die Vögel, die in den Süden fliegen

Als wären sie schwerelos

Als bestünden sie aus Federn und Freiheit

Das Geräusch der Wellen umringt dich und du sinkst ganz tief

Aber beim Sinken fühlst du dich frei

Du siehst die Ungerechtigkeit, den Hunger, die Angst und die Trauer

An dir vorbeischwimmen

Du lässt alles hinter dir

Was bleibt, ist einzig die Freiheit

Kommst du am Boden an, bist du ein Vogel

Nichts zerrt, reißt, drückt mehr

Die Qual ist vorbei

Du bist ein völlig anderes Wesen

Nichts zählt mehr, außer deinem Willen

Am Anfang ist die Ungerechtigkeit

Aber du stehst nicht mehr am Anfang

 

Sophie Senger (18)

hat gerade ihren Schulabschluss gemacht, an der Bertha-von-Suttner-Oberschule in Berlin. Sie liebt es, die Geschichten und Gedichte anderer Leute zu hören und wünscht sich einen offeneren Umgang mit Unbekanntem, sodass Menschen einander helfen statt zu hassen.