Kein passendes Wort

Tamara

Erlangen, Deutschland

 

Kein passendes Wort.
Wie kannst du dein Gefühl so gut fassen?
Bist so jung. Dein Wort so erwachsen.
Erzählst von dir. Triffst mich direkt ins Herz.
Ich hab‘ ein schönes Leben.
Deshalb trifft mich dein Schmerz – wird meiner.
Warum du? Warum ich?
Hass. Krieg. Flucht. Unfair.

Kein passendes Wort.
Ich platze vor Schuld.
Wie kann ich ruhig hier sitzen?
Manchmal alles andere vollkommen vergessen?
Die Not? Die Flucht? Als gäbe es nur mich!
Wärst du ich, wäre ich du – dann bräuchte ich dich.
Dass du für uns sprichst, uns Menschen, eine freundliche Welt.
Dass du Begegnung schaffst, dass du Hoffnung machst.
Denn Hoffnung brauche ich. Brauchen wir. Alle.

Kein passendes Wort.
Nur um den heißen Brei.
Kann nicht treffend beschreiben, wie’s mir geht dabei.
Von Mensch zu Mensch zu hören:
Dass Menschen nur sterben, weil sie leben.

Ich will helfen!
Seh‘ mich Kampagnen starten.
„Zu wenig.“
Schiffe fahren.
„Zu wenig.“
Geld spenden.
„Zu wenig.“
Deutschkurse geben
„Zu wenig.“

In meinem Kopf ändere ich die Welt.
Mein Herz groß genug für alle.
Ich will platzen vor Liebe für dich.
Tausende Wege gehe ich in meinem Kopf für dich.
Immer mehr geben – alles.
Der Preis, den ich dann zahle – bin Ich.
Und das geht irgendwie ja auch nicht.

Also bleibe ich starr und stumm.
Kein passendes Wort.

 

Tamara (27)

ist Sozialarbeiterin in Erlangen. Sie möchten sich für die Begegnung mit Geflüchteten einsetzen, sieht sich jedoch häufig ohnmächtig vor der großen Aufgabe.