Warum machen wir das?

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Kahel Kaschmiri | Foto © Rottkay

Als 2015/16 Hunderttausende Menschen aus Kriegsgebieten zu uns kamen, dachten ein paar Freunde in Berlin darüber nach, wie all diese Menschen künftig mit uns leben würden. Es ging darum, die Fremdheit zu überwinden. Die Poesie als Brücke schien ein guter Anfang.

Was wollen wir?

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Herbert Grönemeyer, Samiullah Rasouli | Foto © Rottkay

Die demokratischen Kräfte in unserem Land aktivieren. Wir wollen die Verständigung zwischen hier Aufgewachsenen und neu dazu Gekommenen fördern, damit unser Land so frei und offen bleibt, wie es heute ist.

Mit den von ihnen vorgetragenen, berührenden Texten vermitteln die jungen Autoren ein einzigartiges, authentisches Erlebnis. Viele der Jugendlichen sind Opfer von Gewalt geworden, dennoch repräsentieren sie auch die Schönheit einer stolzen Kultur, der es in diesen Zeiten nicht gut geht. Wir wollen dafür werben, ihnen zuzuhören und den Blick für sie zu öffnen.

Wie haben wir die jungen Dichter gefunden?

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Samiullah Rasouli | Foto: Rottkay

Bei Reisen durch Afghanistan hatte Initiatorin und SPIEGEL-Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl die Bedeutung und den Zauber der Lyrik in der persischen Kultur immer wieder erfahren dürfen. So wurden alle Jugendlichen aus dem persischsprachigen Raum unterschiedslos eingeladen, am Gedichte-Workshop teilzunehmen, gleich aus welchem Bildungshintergrund sie kommen, darunter Ali Ahmade (15), Ghani Ataei (16), Mahdi Hashemi (16), Shahzamir Hataki (16) Kahel Kaschmiri (15), Mohamad Mashghdost (18), Yasser Niksada (14) und Samiullah Rasouli (17).

Wie funktioniert The Poetry Project?

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Aarash D. Spanta | Foto © Rottkay

Seit Dezember 2015 treffen wir uns zum Gedichteschreiben.

Ein Glücksfall ist die Beteiligung des Übersetzers Aarash D. Spanta. Der Anwalt und Sohn eines prominenten afghanischen Politikers stammt selbst aus einer Intellektuellen-Familie in Herat, im Westen von Afghanistan, und versteht die tiefe Symbolik der persischen Sprache.

Geschrieben wird in Farsi (Persisch) über Themen, die die Jugendlichen und auch uns bewegen, zum Beispiel, warum sie kamen, was ihnen begegnet ist auf dem Weg hierher, was sie erwarten, von Deutschland, von ihrem neuen Leben, was sie vermissen. Die Jugendlichen schrieben nur etwa je 15 - 30 Minuten an ihren Texten. Jeder trägt sein Werk vor und gemeinsam ringen wir dann oft darum, wie eine bestimmte Textstelle, ein Wort, ein bestimmter Begriff gemeint sein könnte.

Das sind schöne Momente des sich gegenseitigen Erkennens und Erkanntwerdens.

Wie geht’s weiter?

The Poetry Project | Foto © Rottkay
Shahzamir Hataki | Foto © Rottkay

Angefangen hat es mit einem offenen Workshop mit persischsprachigen Jugendlichen aus verschiedenen Notunterkünften. Sie verfaßten Gedichte darüber, was ihnen auf der Flucht geschehen ist. Neun Monate später veröffentlichten die Jungen ihre berührenden Texte in der Berliner Anthologie »The Poetry Project – Allein nach Europa« und lasen sie vor großem Publikum auf dem 16. Internationalen Literaturfestival Berlin. Das enthusiastische Echo, das ihnen entgegenkam, hat sie ermutigt, weiterzumachen.

Alle unsere Poeten gehen heute in die Schule. Alle haben inzwischen einen Paten gefunden. Alle lernen Deutsch und folgen, trotz Heimweh und kleinen Zwischentiefs, weiter ihrem Weg in ihr neues Leben. Auch das Poetry Project ist ein Stück ihrer neuen Heimat geworden und wir, das Poetry-Project-Team, sind glücklich darüber.

Lehrer haben uns angesprochen, ob die jungen Poeten auch vor Schülern ihrer Schulen lesen können. Das können sie, wenn auch nicht überall persönlich, weil sie selbst Schüler sind. Aber es gibt einen Film, der die erste und authentischste Lesung zeigt, den wir an Schulen zeigen. Die Interaktion von Willkommensklassen und regulären Schulklassen zu fördern, aber auch zwischen geflüchteten Jugendlichen in Wohnheimen und ihrer Nachbarschaft, ist unser Ziel.