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Herr Friedrich, König der Ausländerbehörde

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Seit ich in Deutschland angekommen bin,

habe ich warmherzige und böswillige Menschen getroffen.

Wohlwollende Menschen unterstützen mich immer wieder,

während böswillige Menschen mir Steine in den Weg legen.

 

Die Person, die mir jeden Monat eine Woche meines Lebens ruiniert,

ist niemand anderes als der werte Herr Friedrich.

Er arbeitet bei der Ausländerbehörde.

Jedes Mal, wenn ich dort hingehe, hat er einen Spruch auf Lager, der mich einschüchtern soll.

Und wenn ich dann weine, habe ich das Gefühl, er freut sich.

Als er mit meinem Anwalt sprach, sagte er ihm:

„Mal gewinnen Sie, mal gewinne ich.“

Ich wünschte, jemand würde Herrn Friedrich sagen, um was es hier geht.

Nicht um den täglichen Kampf zwischen ihm und meinem Anwalt.

Nicht darum, wer von beiden gewinnt oder verliert.

Was auf dem Spiel steht, ist nichts anderes als mein Leben.

 

Herr Friedrich ist jemand, der alle Afghanen für falsch, verlogen

und für Taugenichtse hält.

Und immer wieder muss ich sagen:
Niemand von uns ist freiwillig hierhergekommen.

Niemand verlässt gerne seine Familie und sein Land,

so verwahrlost und heruntergekommen die Heimat auch sein mag.

Diese Woche bin ich wieder in der Ausländerbehörde gewesen.

Zwei Stunden habe ich auf meinen Termin gewartet.

Dann wurde ich wieder fortgeschickt.

Herr Friedrich selbst war es, der mich abwies.

Als er sah, wie niedergeschlagen ich war, grinste er selbstzufrieden.

Wieder warten.

Fünf Stunden lang.
Auf den nächsten Termin.

Ich habe gehört, Deutschland sei das Land,

in dem Menschen Gerechtigkeit widerführe

und so hoffe ich für Herrn Friedrich,

der sich anmaßt wie der König der Ausländerbehörde aufzutreten

und glaubt, alle Macht der Asylwelt zu besitzen,

dass er eines Tages die Quittung für sein Verhalten bekommt.

 

Die Menschen im Senat habe ich gefragt,

was sie getan hätten, wenn sie an meiner Stelle gewesen wären.

Sie hatten keine Antwort.

 

Robina Karimi (17)

floh allein aus Kabul in Afghanistan. Ihre Mutter starb früh, ihr geliebter Bruder ist noch in der Heimat. Da sie trotz anders lautender Angabe in ihrem Pass als volljährig eingestuft wurde, musste Robina eine betreute Unterkunft verlassen und wohnt nun mit ihrer Schwester zusammen, die mittlerweile ebenfalls zum Arbeiten nach Berlin gekommen ist.