AfghanistanGedichteHamed Baluch

Im Namen der Freiheit

Hamed Baluch

Kang, Afghanistan

 

Heimat.
Ein Ort, der den Ursprung eines jedes Menschen darstellt.
Ein Ort, der den Anfang und das Ende meines Lebens darstellen sollte.
Ein Ort, dessen Erde ich liebte.

Eine Heimat, die ihres Fundaments beraubt wurde durch die Ausbeutung fremder Herrscher.
Eine Heimat, in der das Gefühl der Freiheit auf ehrlose Weise unterdrückt wird.
Eine Heimat, in der die Freiheitsschreie mit heißem Blei erstickt werden.

Sie fragen:
Wer hat meine Flügel gestutzt, um mich am Fliegen zu hindern?
Wer hat meine Kehle mit heißem Blei ausgegossen, damit ich nicht schreie?
Die Freiheitsrufe in meiner Heimat wurden betäubt.

Heimat ist meine Muttersprache.
Ich möchte Herrscher sein über mein eigenes Leben.
Heimat ist mein Herz.
Ich möchte Herrscher sein über mein eigenes Reich, das nichts umfasst als die
Breite meiner Schultern.

Heimat ist meine Persönlichkeit.
Ich habe sie in meinem Innersten zusammengekettet, sodass ihre Schreie nicht nach außen dringen und von Fremden zum Verstummen gebracht werden können.

Nico, meine Gefühle. Der Name verleiht ihnen Leben.
Nico, Erstaunen über die Menschen,
die anstelle eines ruhigen Schlafes einen Platz zum ruhigen Schlafen suchen.
Sie fliehen, um wieder träumen zu können.
Ländergrenzen lassen mich seufzen, denn ohne Länder gäbe es keine Kolonialisierung.
Der Schlaf lässt mich seufzen, denn ohne ihn würde ich den Geschmack des Todes nicht kennen.

 

Hamed Baluch (21)

hat nach seinem Schulabschluss 2018 eine Ausbildung zum medizinisch-technischen Assistenten begonnen. Am liebsten isst er das iranische Gericht Zereschk Polo, Reis mit Berberitzen. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, hört Musik und kocht. Hamed wohnt in Berlin-Wedding und möchte nach seiner Ausbildung gern Medizin studieren.