AfghanistanGedichtePfefferwerkRobina Karimi

Ist es ein Verbrechen, Afghanin zu sein?

Robina Karimi

Kabul, Afghanistan

 

Ist es ein Verbrechen,

in Afghanistan auf die Welt gekommen zu sein?

Warum ich das frage?

Weil man als Afghanin überall auf der Welt auf Missachtung trifft.

Warum steht einem als Afghanin im Iran keine Bildung zu?

Warum erhalten wir Afghanen in Deutschland

nicht denselben Aufenthaltsstatus wie andere Geflüchtete?

Auch wenn wir in einem anderen Land als Afghanistan geboren werden,

werden wir dennoch als Afghanen stigmatisiert.

Auch wenn wir das Land in unserem Leben nie gesehen haben,

werden wir nur auf unser Afghanisch-Sein herabgewürdigt – oder sagen wir besser:

gering geschätzt.

Glaubt ihr wirklich,

es ist einfach, seine Mutter, seinen Vater und seine Schwester zu verlassen?

Glaubt ihr wirklich,

es ist einfach, allein und fern seiner Liebsten zu leben?

Glaubt ihr wirklich,

wir wollen aus Vergnügen allein sein?

Nur Gott ist dazu bestimmt, allein zu sein.

Nur Gott allein.

Und so bitte ich Sie, in allen Ländern in denen wir Afghanen uns befinden

und versuchen zu leben – hört auf, uns zu quälen.

Jedes Land bringt seine Wohltäter, Genies und Verbrecher hervor.

Warum aber werden wir, als Afghanen,

allesamt dafür bestraft, wenn sich jemand jenseits der Norm oder schlecht verhält? Warum wird auf uns alle mit dem Finger gezeigt?

Es ist kein Verbrechen, Afghanin zu sein.

Denn: Auch ich bin ein Mensch.

 

Robina Karimi (17),

floh allein aus Kabul. Sie schildert das Misstrauen, mit dem sie als Afghanin zu kämpfen hat.