AfghanistanGedichteHamed Baluch

Kindheit

Hamed Baluch

Kang, Afghanistan

 

Mutter steht für Liebe.
Mutter steht für Ruhe.
Mutter steht für die Freundschaft.
Mutter steht für die Erlösung.

Warum ich die Mutter beschreibe? Warum ich diese Worte wähle?
Vielleicht hat mir etwas gefehlt.
Vielleicht ist es Sehnsucht,
Oder etwas, das nie ausgedrückt wurde.
Vielleicht ist es zu spät, um es auszudrücken.

Der Beginn meiner Kindheit:
Woran erinnere ich mich?
Ich erinnere mich an nichts,
Außer Schmerz und innere Verwüstung.

Wenn man von Kindheit spricht,
Denkt man an ein süßes Lächeln,
Wie eine aufblühende Knospe,
Die im Innersten eines Menschen schlummert.
Für mich jedoch war es nicht so.

In meiner Kindheit gab es kein Kinderspielzeug, nicht einmal einen Plastikball.
Meine Kindheit stand unter der Herrschaft eines grausamen Mannes.
Ich allein war der Überlebende einer Familie, die es jetzt nicht mehr gibt.
Die Einsamkeit war mein einziges Erbe, mein ständiger Begleiter.
Mehr als alles andere.
Mehr als alles und jeder.
Für mich ist ein Leben ohne Kindheit ohne Bedeutung,
Wie Honig ohne Süße.
Jedes Leben hat einen Beginn und einen Höhepunkt.
Aber der Beginn meiner Kindheit kannte keine kindlichen Gefühle.

Wenn ich von meiner Kindheit erzähle,
Fühlt ihr euch vielleicht erinnert an das Leben eines Soldaten.
Ich stand im Dienste eines Mannes mit Vermögen,
Eines Mannes mit vermeintlichem Ehrgeiz,
Eines Mannes, der mich ausnutzte.

Es gibt Kinder, deren Betten aus Pfauenfedern bestehen.
Und es gibt ein Kind, dessen Bett die nackte Erde war.
Es gibt Kinder, die den Luxus haben für ihre Ideale zu kämpfen.
Und es gibt ein Kind, das um sein tägliches Brot kämpfte.

 

Hamed Baluch (21)

hat nach seinem Schulabschluss 2018 eine Ausbildung zum medizinisch-technischen Assistenten begonnen. Am liebsten isst er das iranische Gericht Zereschk Polo, Reis mit Berberitzen. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, hört Musik und kocht. Hamed wohnt in Berlin-Wedding und möchte nach seiner Ausbildung gern Medizin studieren.