AfghanistanGedichteMuska Karimi

Mit Angst im Herzen

Muska Karimi

Kabul, Afghanistan

 

An dem Tag, an dem ich in Deutschland ankam, hat mir niemand geholfen
Ich wusste nicht, wen ich hätte um Hilfe bitten können
Ich wusste nicht, wo ich hätte hingehen können
Das Security Personal des BAMF hat mir keine richtigen Antworten gegeben auf meine Fragen
Es war ein sonniger, warmer Tag
Ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Geld
Allein, ohne Begleitung

Vor dem Eingang traf ich auf einen anderen Jungen
Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre hier verbracht
Ihn fragte ich, wie ich mich in diesem Land bemerkbar machen kann
Er antwortete: Ich weiß es nicht

Sie brachten mich zu dem LaGeSo in der Turmstraße
Ich stand plötzlich dort
Inmitten dieses Raumes
Ohne Tür, ohne Wand
Eine Sporthalle
Ein Bett inmitten dieser Halle wurde mir zugewiesen
Das einzige Mädchen war ich, dort, inmitten dieses Raumes
Allein

Es wurde Nacht
Ich fühlte mich einsam und hatte furchtbare Angst
Dass mir jemand zu nahekommt
In dieser Nacht schlief ich nur 2 Stunden
Der Stress hielt mich vom Schlaf ab

Am folgenden Tag
War mein Körper so erschöpft
So unfassbar erschöpft
Ich konnte keinen Schritt gehen
In mir verzweifelte ich an der Frage
Wo soll ich nun hin?
Ein großer Schmerz in meinem Herzen
Ein großer Schmerz in meinem Körper
So viel Angst in meinem Herzen

 

Muska Karimi (26)

floh 2016 allein nach Deutschland, weil die afghanische Regierung ihr Schwierigkeiten machte. 2017 wurde ihrem Asylantrag stattgegeben, sie hat an der Humboldt Universität Deutsch gelernt und mehrere Module im Rahmen des Programms „HU for refugees“ belegt. Mittlerweile ist auch ihre jüngere Schwester in Berlin, die beiden leben zusammen in einer WG.