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Refugees Welcome

Emma Defty

Berlin, Deutschland

 

2015, Sommer, Berlin.
Wir sammeln an der Eisdiele unsere Bons,
um das Geld erstattet zu bekommen.
Die EU zahlt nicht zuletzt unser Eis.
Genua, Italien.
Im Hafen sitzen die Menschen aus dem Fernsehen.
Einige ohne alles,
einige mit vollgestopften Kissenbezügen.
Einige allein.
Refugees Welcome.

Später im Jahr.
Eine Freundin und ich machen unsere MSA Präsentation
über den Bürgerkrieg in Syrien.
Die Nachrichten erzählen nicht nur von überfüllten Booten,
sondern von Menschen, die es „geschafft“ haben.
Nun aber in Schlangen stehen.
Stundenlang.
Es wird darüber geredet, was passiert,
wenn Winter ist.
Ob Menschen erfrieren.
Dann geht es um Fußball und Lottozahlen.
»Wir schaffen das.«

Weiter geht es um Brandstifter und die AfD.
An unserer Schule klagen Eltern, deren Kinder auf der Warteliste stehen,
gegen die Willkommensklasse.
Ein geflüchteter Junge, der mit uns Abitur machen sollte,
wird von der Schule zurückgewiesen.
Refugees Welcome.

 

Emma Defty (19)

ist in einer amerikanisch-deutschen Familie aufgewachsen, sie besuchte die internationale John-F.-Kennedy-Schule in Berlin und studiert mittlerweile in Schottland. Sie beschäftigt sich mit der Überwindung, Menschen außerhalb eines geschützten Umfelds anzusprechen.