AnonymGedichteSyrien

Tragische Helden

Anonym

Hama, Syrien

 

Ich bin gealtert,
mein Haar ist weiß geworden,
den tragischen Begebenheiten
der letzten Jahre geschuldet.
Wie viele Gefangene haben Ungerechtigkeit
und Arroganz erlitten?
Wie viele Gefangene haben Folter
und Angst ertragen,
diese Schrecken gekannt?
Wie viele Gefangene wurden Folter ausgesetzt,
an Körper und Geist?
Wie haben sie dieses Leben
in der kalten Folterkammer
hinter sich gelassen?

Wie absonderlich dieses Leben ist!
Das Leben hat diese Helden vergessen,
die gekämpft haben
gegen die Ungerechtigkeit.
Ihre Leben wurden verwirkt in der Ödnis.
Ihre Seelen sind noch immer
auf der Suche nach einem Ort,
an dem sie sich von der Tortur erholen können.
Des Nachts, rund um ihre Gräber,
suchen ihre Seelen spürbar nach Ruhe.

Werdet ihr je zurückkehren, ihr Helden?
Werdet ihr die Menschen zum Triumph führen,
wie verhießen?
Werdet ihr die Tyrannen besiegen können?
Diese Tyrannen haben uns beraubt,
getötet, unser Land geplündert.
Die grausamsten aller Tyrannen.
Diese Tyrannen haben Angst
und Schrecken verbreitet allerorts.
Doch diese Verbrecher haben vergessen,
dass das Feuer Gottes sie erwartet.

 

Anonym (23)

wurde in Hama in Syrien geboren. Aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse und der Sorge, durch seine Worte das Leben seiner Familie in Syrien zu gefährden, möchte er unerkannt bleiben. In einem Zeitraum von zwei Jahren war der junge Mann insgesamt sechs Mal für jeweils mehrere Monate im Gefängnis, die erste Verhaftung war 2011. Ende 2015 kam er mit dem Boot über das Mittelmeer nach Deutschland.