Wer bin ich
in einer Welt,
die mir sagt:
„Sei laut – aber etwas leiser.
Sei sichtbar – aber nimm keinen Raum."
Ein Spagat,
zwischen Repräsentation und Repression.
Sei, aber nur im Kontext, nur so wie wir dich haben wollen.
Ihr fragt mich, was ich brauche –
nur um gefragt zu haben.
Zur Sicherheit.
Doch nicht für unsere Sicherheit.
Es juckt euch nicht.
Nicht wirklich.
Weder euch, noch der Welt.
Wie soll es auch, wenn die Gleichgültigkeit selbst mich an einigen Tagen trifft.
Selbst meinen Verstand habt ihr versifft.
Ich habe Sehnsucht nach mir selbst.
Nach einem Ich,
das in dieser Welt nicht existiert.
Nach einem ich, welches ihr nicht geformt habt.
Wer war ich vor „Positionier dich" wer war ich vor „Distanzier dich"
Das weiß ich nicht. Ich werde es nie wissen und ohne zu wissen was genau, werde ich es
mein Leben lang vermissen.
Wer – oder was – bin ich
an einem Ort,
in einer Zeit,
wo das, was mich gezeichnet hat,
plötzlich meine ganze Identität ist?
Wer bin ich, wenn man mir sagt: „Dich gibt es nicht."
Ganz wissenschaftlich, angeblich.
Erinnerungskultur – oder laut euch nur eine kollektive Wahnvorstellung.
Wie sonst erklärt ihr die Artefakte und Karten in der Truhe,
die nicht heilende Prellung meiner Großeltern?
Wer seid ihr, uns zu sagen, wir wären nie hier gewesen, während die Schlüssel noch immer an unseren Hälsen hängen
und die Olivenbäume stolz auf den Feldern prahlen?
Wer bist du, mir zu sagen,
mich gebe es nicht – und mich dennoch dafür zu bestrafen, dass es mich gibt?
Warum ist die Frage „Was bedeutet Sein?"
für mich so viel härter als für dich?
Warum schmerzt sie mich – und erfüllt dich?
Wer bin ich ohne das alles?
Bin ich dann noch?