Da sprach es: Sei !

Also war ich.

Und wie hätte ich nicht sein können?

Man sagte mir auch:

Der Treibstoff des Lebens sind Menschen und Steine.

 

Ich bekam Angst, akzeptierte und glaubte

Doch auf dem Weg zu Gott überkamen mich Zweifel

Ich bangte, bereute, warf mich in Anbetung nieder

 

Und wie hätte ich nicht sein können?

Dann sagte man mir:

Wir werden von unseren Wänden belauscht

und die Kerker reichen bis in den siebten Himmel.

 

Da erschrak ich und fügte mich

Verlor den Mut und hatte es satt

Gab mich zufrieden und raffte mich auf

Ich ängstigte mich und zauderte

Begann zu hoffen, begehrte auf

Wurde verfolgt, in die Enge getrieben

Fand keinen Ausweg und wanderte aus

Verirrte mich und zerriss in Stücke

So rannte ich Jahre und vollführte Sprünge

Dann fiel ich hin...

... versuchte aufzustehen und konnte nicht

Sah meine Fußspur und wunderte mich:

Wie hatte ich mich auf den Weg gemacht

war losgedüst

davongebraust

dahingestürmt

gejagt

gehetzt

hatte immer mehr Gas gegeben,

wie man mir sagte ...?

 

Und wie hätte ich das auch sein können:

ein Wind, der Winde hinwegweht,

eine Sekunde, die mit Stunden um die Wette läuft,

ein Vogel, schneller als der Sonnenaufgang,

doch der sich nachts verfliegt

und so den Morgen verpasst ?

 

Da sprach es: Sei !

Doch ich sagte:

Soweit das mich betrifft,

so hab ich beschlossen zu leben

und es langsam anzugehen:

den Sonnenauf- und -untergang hinauszuzögern,

die Straßen und Wege zu entschleunigen,

vor dem Geigenspieler in der U-Bahnpassage stehenzubleiben

und ihm zuzuhören, bis er fertig ist,

als würde niemand vor mir vorübereilen...

zu spät zur Arbeit zu kommen,

um eine Zigarette zu rauchen und den Kaffee auszutrinken...

langweilig und banal

in den Augen Berlins zu sein...

von Zeit zu Zeit zu lächeln,

ohne Metrum Klavier zu spielen

und auf die Trommel zu schlagen,

bis mein Nachbar über mir auf den Boden stampft...

 

Ich werde auf die Sommernächte warten,

einen billigen Fusel am Späti trinken,

stillose, ungereimte Gedichte schreiben,

nackt, barfuß, frei...

dem Mond bei seiner Nachtschicht Gesellschaft leisten,

im Balkonkasten Pfefferminze anbauen,

im Regen spazierengehen,

um meinen Körper zu bewässern,

damit die Blüten sich aus ihren Gärten verirren

und auf meiner Handfläche einschlafen.

 

Ich werde nicht vergessen aufzubegehren für jeden, der leben will.

Und werde meinen Blick nicht vom Feuer abwenden.

Und werde ein Echo derer sein,

denen der Tod ihre Zukunft stahl:

dann werd ich wie Moses das Meer spalten

und ihre Schreie weiterleiten.

 

Und

Mal bin ich

Dann wieder nicht

Dann wieder doch

 

Und was ich auch immer sein mag:

zu lieben werde ich nicht vergessen.