Der Mantel der Mutter, aus Demut und Stärke,
sie trägt ihn, ihr Sohn liegt jetzt unter der Erde.
Sie trägt auch auf ihren hageren Schultern
Splitter des Krieges, blutende Wunden.
Der bebende Schatten weint in der Sonne,
Verhängnis getöteter Generationen.
Aus schlaflosen Nächten webt sie ihr Los,
sein Fahrrad rostet auf dem Balkon.
Das Herz zieht sich an den Mantel, als Schild,
gerahmt steht im Zimmer sein Passfoto-Bild,
sie trug’s in der Tasche, daneben die Orden.
Nicht für diesen Krieg hat sie ihn geboren.
Sie flechtet ihr Leid in den Teppich aus Erz,
ein Teppich aus Nägeln, geschlagen ins Herz.
Das Bild wurde auch in der Kirche verwendet,
sie badete ihn als Kleinkind mit Quendel.
Hätte sie seine Achillesverse entdeckt,
hätte sie es sofort den Engeln gesteckt.
Der Brillenrahmen ist schon wieder verbogen.
Teststreifen ziehen zwischen den Fotos nach oben.
Der Briefträger bringt ihr die Rente im Umschlag.
Ein festliches Tuch dient ihr als Umhang.
An seine Einheit gibt sie das Geld,
außerdem hat sie den Sarg bestellt.
Man legt ihn hin, wie auf der Geburtsstation,
neben den Gräbern, der letzten Rotation.
Auf einen Busch ihres geliebten Flieders
schaut eine dünne Birke nieder.

«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»

In meinem Gedächtnisvermächtnis steht dein Name ganz oben.
Hab Mandarine und Minze getrocknet und einen Schlussstrich gezogen.
Ich trug deinen Geruch, bis er weggespült wurde vom Regen.
Mein Körper spürt noch jede deine bei mir verstreute Bewegung.
Koch einen Tee aus Erinnerung, nehm’ ihn mit in die Wanne.
In meinem Gedächtnisgarten führen wir unser Endlosgespräch in der Sonne.
Als würdest du sparen an Worten für mich, hast du mich auf später verschoben.
Trägst meinen Geruch als Trophäe, als wär ich eines Amtes enthoben.