Ich bin der Schnittpunkt zweier Parallellinien

Ich trage zwei Himmel in mir 
einen, unter dem ich laufen lernte, 
und einen, unter dem ich jetzt atme. 
West ... und Ost.

Mama sagt:
„Der Westen hat keine Werte.“ 
Stimmt.
Er verkauft sie auf Amazon. 
Nachhaltig verpackt ...

Papa sagt:
„Unsere Kultur ist rein.“
Stimmt.
Rein wie ein Glas ...
das seit vierzig Jahren nicht gespült wurde. 
Tradition nennen sie das
ich – ich nenne es
Schimmel mit Geschichte.

Manche Deutschen sagen:
„Du bist Ausländer.“
Aber ich spreche doch eure Sprache ... 
Manchmal sogar mit korrekterer Grammatik

Andere sagen:
„Du bist eine von uns.
Eine Berlinerin.“
Bis ich meinen Namen buchstabiere ... 
und der Beamte lächelt,
So exotisch

Und die Afghanen?
Da passen wir auch nicht ganz zusammen.
Weil meine Ärmel zu kurz und meine Träume zu lang sind

Weil meine Schwestern studieren

Als wäre Bildung
eine westliche Krankheit.

Meine Eltern haben Angst. 
Angst, dass ich mich verliere

Aber Madar Jan (Mama)
jetzt trinken die Deutschen mehr Chai als ich. 
Süß ...
zu süß.

Jetzt wissen sie,
dass ein Händedruck bei uns 
manchmal wie ein Kuss zählt.

Jetzt glauben sie an Gott ... 
nicht an Religion
und merken nicht,
wie nah das an uns ist.

Madar Jan (Mama)
ich bin nicht untergegangen. 
Ich bin eine Welle.
Und das Wasser,
Madar Jan (Mama),
Das kommt von unserer Seite.