Als ich klein war, sagten alle: „Vertraue jedem, aber traue niemandem.“
Ich wusste nicht, was Vertrauen bedeutet und wie ich lernen kann, anderen zu vertrauen.
Soll ich meinen Eltern vertrauen?
Soll ich meiner Religion vertrauen?
Soll ich meiner Regierung vertrauen?
Oder soll ich der Liebe vertrauen – jenem Gott, den man nicht sieht, aber spürt?
Ich habe meinem Vater vertraut, doch er hat mich beinahe in den Tod geschickt.
Ich habe meinem Land vertraut, doch das Land betrachtet mich als Fremden.
Ich habe meiner Religion vertraut und fünfmal am Tag gebetet, doch irgendwann hörte ich auf.
Ich habe an ein neues Leben hier geglaubt, doch heute würde ich es nicht noch einmal wagen.
Ich habe der Liebe vertraut, doch sie ließ mich allein zurück und hinterließ nur eine Spur.
Ich habe den Menschen vertraut, doch sie gingen, und ich blieb zurück.
Ich habe der Demokratie vertraut, von der ständig die Rede ist – ich sehe sie nicht, aber ich spüre sie. Dieses Gefühl verunsichert mich.
Heute vertraue ich den Menschen, die wirklich für mich da sind.
Ich vertraue der Liebe, die wie eine Rose aussieht und duftet wie Gole Golab.
Ich vertraue meinen Eltern, die heute stolz auf mich sind.
Ich vertraue meiner Religion, die mich lehrt, was gut und was schlecht ist.
Ich vertraue einer Person, die mir Kunst und Demokratie näherbringt.
Und ich vertraue dem Morgen, das noch nicht da ist, dessen Hoffnung ich aber schon jetzt spüre.
2026 | Shahzamir Hataki | Afghanistan