Die Suche
Im Herzen von Gestern, wo Tausende Wünsche begraben.
Ein Gestern, das ihr die Jugend nahm und ihre Träume ins Nirgendwo verschickte.
Genau dort, wo das Leben unterdrückt wurde, und die Herzen der Frauen aufhörten zu schlagen, die Mauern der Ruhe zusammenbrachen, errichteten sie einen Palast der Grausamkeit.
Stockende Atemzüge und unaufhörliche Tränen, im Wind verlorene Hoffnungen und stumme Schreie, überquellende Worte und unheilbare Wunden, den Hals verschnürt, die Augen erstarrt.
Mit einem jungen Gesicht, aber verwelkt,
schnürte sie ihre Jugend zu einem Bündel und wurde zu einer alten Frau.
Aus dem Sarg tausender Kinder und Jugendlicher fielen Federn und Bücher als Andenken herab.
Die verbrannten Leichen ihrer Altersgenossen rochen nach Wissensdurst.
Wieder muss man vom Herzen des Gesterns sprechen, von jenem Gestern, an dem die Monster ihre Stadt zum Reich der Kannibalen machten und ihre Zuflucht hinunterschlangen, verwirrt in den dunklen und verrußten Straßen mit ungläubigen Augen starrte sie in die Gesichter der Ungeheuer, Monster, die die Menschen enthaupteten und sie beschossen.
Plötzlich sank sie in sich zusammen und umarmte die Knie des Kummers, teilte ihren Schmerz mit dem Herzen der Finsternis und hörte das Flüstern ihrer Nachbarn.
Mit einem kleinen Bündel in der Hand schloss sie das Buch eines Lebens, ging durch die Hintertür fort und kam nie wieder zurück.
In ihren Gedanken glaubte sie noch zu träumen, ohrfeigte sich, in der Hoffnung aufzuwachen.
Wäre es doch ein Traum gewesen, und ihr Albtraum realer als die Realität selbst.
Enttäuscht saß sie neben ihrem Herzenskummer, weinte leise um ihr verlorenes Haus, in der Weite des Landes hörte ihr Herz auf zu schlagen, das mitten in all den Auseinandersetzungen eine Kämpferin war.
Das Geräusch des Zerbrechens ihrer Seele quälte sie immer mehr, um zu überleben, musste sie ihre Sachen packen.
Der Vater wurde ihr zur Laterne der Hoffnung, und die Mutter eine immer begleitende Hand.
Sie machte sich auf.
Auf einen gefährlichen, erschöpfenden Weg.
Auf die Suche nach einer Ruhestätte.
Sie kam voran.
Doch ihre Fußspuren blieben auf den wolkenverhangenen Bergen, auf ihrem Kleid die Kratzer aus blinden Wäldern, in ihren verwundeten Händen hielt sie immer noch das verknotete Bündel.
Sie kam voran.
Doch mit geschwollenen Füßen, die Knie von Felsen gestreichelt und Augen tiefen Gruben ähnelnd.
Sie war nicht mehr imstande weiterzugehen, doch das Bündel legte sie keinen Moment beiseite.
Ich weiß nicht, ob der Inhalt dieses Bündels die Mühen eines langen Lebens in sich trug, oder die Wünsche ihrer Altersgenossen.