"Nach der Flucht: Die eigene Stimme finden"
Dank des von der Joachim Herz Stiftung geförderten Projekts "Nach der Flucht: Die eigene Stimme finden" haben wir in diesem Jahr die Möglichkeit, Schreibworkshops an Schulen mit Willkommensklassen sowie in Erstaufnahmezentren durchzuführen.
In den Workshops begleiten wir die neu angekommenen Schüler*innen und Personen, welche in Erstaufnahmezentren leben dabei, ihre eigene Stimme zu finden. Dort können sie persönliche Geschichten in Gedichten und Kurzprosa zum Ausdruck bringen. Poesie ist in vielen Herkunftsländern eine kulturell bedeutende Form des Erzählens und kann einen besonderen Raum schaffen, um auch emotionale und persönliche Erfahrungen in Worte zu fassen – gerade solche, die sonst oft unerzählt bleiben.
Den Abschluss der Workshopreihe bildet eine gemeinsame Lesung, bei der die Texte präsentiert werden. So werden aus persönlichen Worten geteilte Geschichten – und aus Schreiben Begegnung.
"Sei neben mir und höre, was mir geschehen ist"
In Brandenburg – insbesondere in dörflichen und klein- und mittelstädtischen Regionen – bestehen wenige niedrigschwellige Begegnungsräume zwischen jungen Menschen mit und ohne Flucht- oder Migrationserfahrung. Migration wird dort häufig abstrakt oder problemorientiert verhandelt, persönliche Kontakte fehlen. Dies begünstigt Vorurteile, Unsicherheiten und gesellschaftliche Polarisierung. Gleichzeitig erleben migrantische Schüler*innen häufig Ausgrenzung, geringe Sichtbarkeit ihrer Lebensgeschichten und wenig Möglichkeiten, sich aktiv in schulische und gesellschaftliche Diskurse einzubringen. Das von der Deutschen Bahn Stiftung geförderte Projekt "Sei neben mir und höre, was mir geschehen ist" reagiert auf diese Situation, indem es Schulen in Brandenburg gezielt als Orte eines spielerischen Dialogs stärkt. Durch autobiografisches Schreiben und öffentliche Lesungen werden persönliche Erfahrungen von Flucht, Ankommen und Identität sichtbar gemacht und ein empathischer Austausch auf Augenhöhe ermöglicht.
Das Projekt wird an zwei Gymnasien sowie einer Berufsschule in Brandenburg durchgeführt. Das Projekt nutzt die besondere Ausdruckskraft von Lyrik, um scheinbar Unsagbares sagbar zu machen. Persönliche Geschichten werden zu Brücken zwischen unterschiedlichen Lebensrealitäten und schaffen nachhaltige Lernerfahrungen.
"Nach oben! TheArtsEliteClub. Demokratie durch Poesie – Streiten im Gedicht!"
Das Literaturhaus Berlin und The Poetry Project holen marginalisierte Stimmen ins Zentrum der Gesellschaft.
Mit dem von der Jugendkulturinitiative geförderten Projekt "Nach oben! TheArtsEliteClub. Demokratie durch Poesie – Streiten im Gedicht!" bringen das Literaturhaus Berlin und The Poetry Project junge marginalisierte Stimmen an Orte, an denen man sie selten hört.
Im Mittelpunkt stehen Jugendliche in Berliner Kiezen, die sonst oft übersehen werden. In Lyrik und Kurzprosa schildern sie ihre Lebensrealität. In ihren Texten stellen sie geläufige Begriffe wie Aufstieg, Erfolg und Elite infrage. So schaffen sie Stoff für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ihre Texte präsentieren sie selbst im Literaturbetrieb und auf Pop-up-Bühnen in Behörden wie Job-Centern, Polizei und Ausländer*innenbehörde.
Der Prozess wird in Schreibworkshops dokumentiert. Autor*innen des The Poetry Project begleiten diesen Prozess, Projektmanagerin Katja Birkle koordiniert das Vorhaben.
Das Projekt setzt auf echte Begegnung auf Augenhöhe: Die Teilnehmenden gehen in Austausch mit Vertreter*innen der Hochkultur und Entscheidungsträger*innen in Opernhäusern, Parlamenten, Vorstandsetagen.
Die Ergebnisse werden in öffentlichen Lesungen, einem Abschluss-Zine und Social-Media-Formaten wie TikTok-Reels präsentiert – ein kraftvoller Beitrag zu Dialog, Selbstwirksamkeit und gelebter gesellschaftlicher Teilhabe.